Call for Papers: Exotische Bilder. Fernweh (in) der Kunstgeschichte

Dienstag, 02. Februar 2016

Bewerbungsschluss: 29. Februar 2016

Workshop am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris (DFK), in Zusammenarbeit mit dem Sackler Research Forum am Courtauld Institute of Art

Paris, 9. und 10 Juni 2016

Der Traum von Henri Rousseau entstand 1910, im Umfeld internationaler Künstlerbewegungen und klischeebeladener Kolonialausstellungen. Das Gemälde wurde im Salon des Indépendants ausgestellt und als Paradigma des Exotischen gefeiert. Im Gegensatz zu Paul Gauguin hat Rousseau Paris bekanntlich nie verlassen. Anregung und Vorbilder fand er auf Spaziergängen durch den Pariser Jardin des Plantes. Das Exotische, tatsächlich ein Begriff, der zunächst im Bereich von Flora und Fauna aufblühte, scheint hier idealtypisch verkörpert: nicht als Ikonographie des Fremden, sondern als kunstsinniger Verfremdungseffekt.

Postcolonial Studies haben eine scharfe Kritik am Exotismus verfolgt. Infolgedessen gerieten auch die frühe Rede vom Exotischen sowie ihr Nachleben unter Verdacht. Dabei wurde die Frage nach deren Verortung innerhalb der Kunstgeschichte vorschnell ausgeblendet. Dessen ungeachtet scheint der Begriff gerade aufgrund seines experimentellen und ambivalenten Charakters auffällig oft Verwendung gefunden zu haben. Der Rede vom Exotischen liegt offenbar eine Offenheit zugrunde, die im antagonistischen Diskurs über „das Fremde“ oder „das Andere“ in dieser Form nicht zu finden ist. Anders als Bezeichnungen wie Orientalismus oder Primitivismus ist der Begriff des Exotischen zudem weder historisch noch stilistisch oder räumlich begrenzt. Exotische Bilder wären in dieser Perspektive zu allererst Bilder, die faszinieren, verstören, oder aus anderen Gründen irritieren.

Als Symptom einer Leerstelle deuten „exotische Bilder“ auf ein Bedürfnis der Kunstgeschichte, das in historiographischer Perspektive durchaus positiv befragt werden kann. Die Tagung möchte den verschiedenen Motivationen hinter diesen Diskursen in methodenkritischer und ideengeschichtlicher Perspektive nachgehen. Anhand ausgewählter Fallbeispiele soll danach gefragt werden, zu welchen Zeiten bzw. unter welchen Umständen (Ausstellungen, Publikationen, etc.) und aufgrund welcher Merkmale (Material, Kontext etc.) oder gar zu welchen Zwecken (Avantgarde, Politik etc.) Bilder im Kontext der Kunstgeschichte als „exotisch“ bezeichnet werden.

Wir freuen uns auf die Einsendung kurzer Exposés (max. 500 Wörter) für
 einen halbstündigen Vortrag auf Französisch, Deutsch oder Englisch und einen kurzen Lebenslauf (max. 1000 Zeichen) bis zum 29. Februar 2016 an lbader@dt-forum.org und merel.vantilburg@courtauld.ac.uk.