"The Climates of History" – Klimawandel aus historischer Perspektive

Dienstag, 03. November 2015

Während die große UN-Klimakonferenz in Paris näher rückt, thematisiert das DHI Paris gemeinsam mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) den Klimawandel aus historischer Perspektive. Das Kolloquium vom 16.–17. November 2015 bringt die neuesten Trends einer innovativen Forschungsrichtung zusammen und ehrt zugleich Emmanuel Le Roy Ladurie, den großen Pionier der historischen Klimaforschung.

Kolloquium zu Ehren von Emmanuel Le Roy Ladurie am DHIP, 16.–17. November 2015.

Der Klimawandel ist für die Geschichtswissenschaft kein Novum: vom Jahrtausendsommer 1540, eine der größten Dürrekatastrophen Europas, über das »Jahr ohne Sommer« 1816 bis hin zur Rolle des Klimas bei der Entstehung der Französische Revolution nimmt das Kolloquium die Epochen des Klimawandels in den Blick. Mit dieser historischen Perspektive leistet es einen wertvollen Beitrag zur Debatte rund um die UN-Klimakonferenz, die zwei Wochen später in Paris beginnt.

Historische Klimaforschung – eine hoch innovative Forschungsdisziplin

Seit ihren Ursprüngen in den 1950er Jahren hat die historische Klimaforschung, eine hoch innovative und noch recht junge Disziplin an der Nahtstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften sowohl ihr Spektrum als auch ihren geographischen und zeitlichen Horizont erweitert. Die Tagung in Paris vereint unterschiedliche Generationen und Forschungslinien und bündelt drei momentan vorherrschende Trends: zum einen gibt sie der Klimageschichte einen globalgeschichtlichen Rahmen. Darüber hinaus schaltet sie sich in die aktuelle Debatte über den rezenten, anthropogenen Klimawandel ein. Seit langem hat die historische Klimaforschung dazu wesentlich Beiträge geleistet, indem sie Klimabedingungen vor Beginn von Messungen rekonstruiert und die Konsequenzen historischer Klimaschwankungen untersucht hat. Zuletzt hat sie sich auch in die Diskussion um ein neues erdgeschichtliches Zeitalter, das »Anthropozän«, eingeschaltet, in dem Menschen zu einer quasi-geologischen Kraft im Erdsystem geworden sind, die den globalen Wandel heute antreiben. Menschen- und Klima- bzw. Erdgeschichte werden hier also zusammengebracht und die klassische Trennung von Menschen- und Naturgeschichte damit in Frage gestellt.

Emmanuel Le Roy Ladurie – ein Pionier der Klimaforschung

Der vielfach ausgezeichnete französische Historiker der Annales-Schule lehrte lange Jahre am Collège de France. Seine 1967 erschienene »Histoire du climat depuis l’an mil« gilt bis heute als ein Schlüsselwerk für die Klimaforschung. Mit der Rekonstruktion des Klimas aus historischen Quellen schuf er die Grundlagen für ein Forschungsprogramm, das die Disziplin »mit unsichtbarer Hand in ihre heutige Gegenwart führte« (F. Mauelshagen).

Weitere Informationen:

www.dhi-paris.fr/de/home.html