Instrumentalmusik ‚neben‘ Haydn und Mozart. Analyse, Aufführungspraxis und Edition

Donnerstag, 11. Februar 2016

18.-19.02.2016, Konferenz, Saarbrücken

Haydn und Mozart sind jedem bekannt, ebenso Beethoven. Doch wer waren die anderen? – Um das Umfeld und die Zeitgenossen der Wiener Klassiker geht es bei einer Tagung am 18. und 19. Februar an der Universität des Saarlandes, die das Institut für Musikwissenschaft veranstaltet. Rund 20 Experten aus aller Welt werden sich mit der Analyse, Aufführungspraxis und Edition von Instrumentalmusik des ausgehenden 18. Jahrhunderts befassen. Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter: s.klauk(at)mx.uni-saarland.de.

Die Werke der „großen“ Wiener Klassiker gelten als Maßstab für die Instrumentalmusik des ausgehenden 18. Jahrhunderts. „Doch das ist nicht das ‚normale‘ Repertoire. Es gibt viel mehr Werke dieser Zeit, doch die werden in der musikwissenschaftlichen Analyse kaum beachtet“, sagt Stephanie Klauk. Die promovierte Musikwissenschaftlerin hat am Deutschen Historischen Institut in Rom drei Jahre lang über italienische Instrumentalmusik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geforscht. Dabei ist sie auf eine Fülle von Komponisten gestoßen, die als Zeitgenossen der Wiener Klassiker eigene Maßstäbe setzten. „So kann man beim Steichquartett fast von einer eigenen italienischen Tradition sprechen“, erläutert sie beispielhaft. Gemeinhin gilt Haydn als Begründer des Streichquartetts. „Doch in Italien haben zeitgleich Luigi Boccherini und zahlreiche andere Komponisten Streichquartette geschrieben, die sich formal und stilistisch von denen der Wiener Klassiker unterscheiden“, sagt Klauk.

Das Interesse an den weniger bekannten Zeitgenossen von Haydn, Mozart und Beethoven habe zwar zugenommen und sich mittlerweile in Aufführungen und Editionen niedergeschlagen. Auf Musikgeschichtsschreibung und musikalische Analyse wirkte sich dies jedoch noch nicht aus, hat die Musikwissenschaftlerin festgestellt. So werden Werke immer noch an den Ausnahmekompositionen der Wiener Klassiker gemessen und historisch beurteilt. In diese Lücke will die internationale Tagung in Saarbrücken vorstoßen: „Anhand des umfangreichen Repertoires weitgehend unbekannter Komponisten wollen wir Alternativen zu den traditionellen Prämissen und Analysemethoden aufzeigen“, erklärt Stephanie Klauk.

Im Rahmen der Tagung findet Donnerstag, 18. Februar, um 18 Uhr ein öffentlicher Abendvortrag statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Prof. Robert O. Gjerdingen von der Northwestern University (Chicago) spricht zum Thema „The Perils of Being Right: Mozart’s ‚Obviously Corrupt‘ Minuet K. 331“ (Gebäude C5 2, EG, Raum 0.01).

Die Tagung „Instrumentalmusik ‚neben‘ Haydn und Mozart. Analyse, Aufführungspraxis und Edition“ wird finanziert von der Max Weber Stiftung. Die Veranstaltung bildet den Abschluss eines einjährigen Forschungsstipendiums der Stiftung, mit dem Dr. Stephanie Klauk nach dreijähriger Tätigkeit in der Musikabteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom an das Institut für Musikwissenschaft der Universität des Saarlandes gewechselt ist.

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