Max Weber in der Welt

Max Weber (* 21. April 1864 in Erfurt, † 14. Juni 1920 in München) ist ein moderner Klassiker. Sein wissenschaftliches Werk ist heute, fast hundert Jahre nach seinem Tod, ungebrochen aktuell. Es wird ediert, gelesen, übersetzt und immer wieder neu interpretiert. Obwohl es ein Torso blieb, sind die von ihm geprägten Begriffe wie Objektivität und Wertfreiheit, Bürokratie und Charisma, innerweltliche Askese und mystische Weltflucht, moderner Kapitalismus und Rationalismus unvermindert Impulsgeber und theoretisches Rüstzeug verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Sehen die einen in Max Weber den Juristen oder Nationalökonomen, ist er für die anderen Soziologe, Politikwissenschaftler oder Historiker. Seine Forschungen fallen auf das Gebiet der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sie überschreiten interdisziplinär Grenzen, die Wirkung ist transnational. Welt- und Reisebeobachtungen hatten erheblichen Einfluss auf das Werk. Ohne Webers längere Aufenthalte in Italien und in den USA, den Stätten der alten und der neuen, kommenden Weltordnung, wäre es wohl ein anderes. Die Studien zur okzidentalen Kultur im Vergleich mit den großen Weltkulturen waren wegweisend. Mit der Analyse der »kapitalistischen Entwicklung in ihrer allgemeinen Kulturbedeutung« hatte er eine Beschreibung der modernen Welt geliefert, die bis zum heutigen Tag nichts an Aktualität eingebüßt hat. Die internationale Wirkungsgeschichte von Webers Schriften begann daher schon sehr früh; bereits 1897 wurden seine 1894 und 1896 erschienenen Börsenschriften ins Russische übersetzt. Seitdem sind seine Arbeiten in vielen Sprachen erschienen, neben den Weltsprachen u. a. auch in Albanisch, Katalanisch oder Serbokroatisch. 2010 meldete der Verlag Mohr Siebeck, dass die Max Weber-Gesamtausgabe nun ins Arabische übersetzt würde. Mit einem Wort: Max Weber ist sehr bald zu einem internationalen Klassiker und Deuter der modernen Welt geworden, und er ist es geblieben, bis zum heutigen Tag.

Angesichts der Entstehung, Rezeption und Wirkung seines Werks und nicht zuletzt der internationalen Ausstrahlung der Person bildet Max Weber eine ideale Klammer für die Arbeit der geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute mit ihrer interdisziplinären und transnationalen Ausrichtung. Anlässlich ihres zehnjährigen Gründungsjubiläums hat die Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA) ihren Namen um den des großen deutschen Wissenschaftlers ergänzt. Zugleich öffnete sie sich dem ihr verwandten Thema auch inhaltlich. Die Tagung »Max Weber in der Welt« widmete sich der Frage nach der Bedeutung Max Webers und seines universalhistorisch angelegten Werks für die wissenschaftlichen Entwicklungen und Diskussionen in den Gastländern der Auslandsinstitute der Stiftung. Zum einen wurde die Rezeption und Wirkung seiner Studien in Vergangenheit und Gegenwart aufgezeigt und zum anderen diskutiert, inwieweit das Werk durch die großen Reisen und Auslandsaufenthalte Max Webers geprägt worden ist. Dabei wurde jedoch nicht allein die internationale Wirkungsgeschichte nachgezeichnet, sondern auch die Frage nach dem Aktualitätsbezug, den Grenzen und Potentialen dieses OEuvres gestellt. Das Blog »Max Weber in der Welt« begleitete die Ereignisse und berichtet seither regelmäßig über entsprechende wissenschaftliche Aktivitäten der Stiftung, ihrer Institute und Kooperationspartner.