Armutsbekämpfung und Bildungspolitik in Indien

Transnationale Forschungsgruppe Indien der Max Weber Stiftung

Seit 2012 unterstützt der Stiftungsrat mit jährlich 500 000 Euro für bis zu fünf Jahre die Einrichtung einer Transnationalen Forschungsgruppe eines Instituts der Max Weber Stiftung, wenn dadurch ein besonders hohes Maß an Nachhaltigkeit erreicht werden kann und wenn das Projekt auch die Schaffung von grenzüberschreitenden Netzwerken zum Ziel hat. Durch die Einbeziehung einer deutschen Universität soll nicht nur die Vernetzung zwischen den Instituten und der deutschen Forschungslandschaft gestärkt, sondern auch die in Deutschland an Universitäten und anderen Einrichtungen bereits bestehenden Ressourcen und Kompetenzen effizient genutzt werden. Die erste „Transnationale Forschungsgruppe“ dieser Art wurde 2013 vom DHI London in Neu-Delhi eingerichtet: Die Transnationale Forschungsgruppe „Poverty Reduction and Policy for the Poor between State and Private Actors: Education Policy in India since the Nineteenth Century” ging aus zwei Forschungsschwerpunkten des DHI London hervor, die sich mit der Geschichte des britischen Empire und seiner Kolonien sowie mit der Geschichte von Solidarität und Fürsorge beschäftigen.

In den beteiligten Ländern Deutschland, Indien und Großbritannien bestehen Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des King’s India Institute am King’s College in London, des Centre for Modern Indian Studies (CeMIS) in Göttingen sowie des Centre for Historical Studies, des Zakir Husain Centre for Educational Studies der Jawaharlal Nehru University und des Centre for the Study of Developing Societies (CSDS) in Neu-Delhi.

In Neu-Delhi wurde ein Büro für administrative Zwecke, Veranstaltungsplanung und die Betreuung von Stipendiatinnen und Stipendiaten eingerichtet. Unter soziologischer, bildungssoziologischer und historischer Perspektive soll vor allem das noch recht unerforschte Verhältnis beziehungsweise die wechselseitige Beeinflussung von Armut und Bildung in Indien untersucht werden. Problematiken beispielsweise bezüglich der Gestaltung und Vermittlung von Wissen sollen dabei im Zentrum stehen. Neben der Beantwortung relevanter Fragen zu diesem Thema ist insbesondere der Aufbau eines Netzwerkes zwischen den beteiligten Ländern über den Zeitraum des Projektes hinaus Ziel des Vorhabens. Mithilfe von Stipendienprogrammen, Sommerschulen, Workshops, Konferenzen und Vortragsreihen soll solch ein internationales Netzwerk etabliert und stabilisiert werden.

Um innerhalb eines Zeitrahmens von fünf Jahren innovative Ergebnisse hervorzubringen, hat sich die Transnationale Forschungsgruppe in erster Linie auf eine Reihe bestimmter Projekte innerhalb des umfangreichen Rahmens ihrer Hauptthematik „Poverty Reduction and Policy for the Poor between State and Private Actors: School Systems and Mass Education in Colonial and post-Colonial Contexts“ konzentriert. Die Unterprojekte der Forschungsgruppe sind von Multiperspektivität und einer interdisziplinären Herangehensweise gekennzeichnet. Inter- und transdisziplinäre Diskussionen werden zudem mittels gemeinsam durchgeführter Workshops und Konferenzen verfolgt. Die Fachkompetenz der Projektpartnerinnen und -partner setzt sich primär aus Disziplinen wie Bildungssoziologie, Ökonomie und Bildungsgeschichte sowie Kultur- Religions- und Sozialgeschichte zusammen.

In der  Transnationalen Forschungsgruppe haben sich sieben Forschungsgebiete herausgebildet, für die Promotions- und Habilitationsstipendien vergeben werden.

  • Globale Bildungsreformen des 19. und 20. Jahrhunderts und ihr Einfluss auf die allgemeine Schulausbildung in Indien
  • Die Einführung einer allgemeinen Grundschul-/Schulausbildung zwischen Privatsektor und Bildungsbetrieb
  • Kastendiskriminierung und Bildungspolitik
  • Industrielle Restrukturierung, Informalisierung und deren Folgen für den Zugang zu Grundschulbildung
  • Erwachsenenbildung und die Popularisierung angewendeten wissenschaftlichen Wissens
  • Industrielle und technische Institutionen und die wiederauflebende Bedeutung von Handarbeit
  • Die Auswirkung schulischer Bildung auf Lebensgeschichten