Armutsbekämpfung und Bildungspolitik in Indien

Transnationale Forschungsgruppe Indien der Max Weber Stiftung

Über einen Zeitraum von fünf Jahren (Januar 2013 bis Dezember 2017) unterstützt die Max Weber Stiftung die Arbeit der ersten Transnationalen Forschungsgruppe (Transnational Research Group, TRG) in Indien. Die TRG „Poverty Reduction and Policy for the Poor between State and Private Actors: Education Policy in India since the Nineteenth Century” ging aus zwei Forschungsschwerpunkten des Deutschen Historischen Instituts (DHI) London hervor, die sich mit der Geschichte des britischen Empire und seiner Kolonien sowie mit der Geschichte von Solidarität und Fürsorge beschäftigen.

Mit der Unterstützung des DHI London wurde dieses britisch-deutsch-indische Gemeinschaftsprojekt als eine Kooperation zwischen

  • dem King’s India Institute am King’s College in London,
  • dem Centre for Modern Indian Studies (CeMIS) in Göttingen,
  • dem Centre for Historical Studies und dem Zakir Husain Centre for Educational Studies der Jawaharlal Nehru University sowie
  • dem Centre for the Study of Developing Societies (CSDS) in Neu-Delhi

ins Leben gerufen. Als Hauptsitz wurde die indische Hauptstadt Neu-Delhi bestimmt. Das dort ansässige Büro der TRG kümmert sich um administrative Angelegenheiten, Veranstaltungsplanung und die Betreuung von Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Die Mitglieder der Forschungsgruppe widmen sich der wechselseitigen Beeinflussung von Armut und Bildung in Indien seit dem 19. Jahrhundert. Trotz eines beeindruckenden wirtschaftlichen Wachstums lebt auf dem indischen Subkontinent noch immer ein großer Teil der Bevölkerung in Armut. Zugang zu Bildung zu schaffen ist eine der wichtigsten Strategien zur Armutsbekämpfung. Die TRG trägt zu dieser aktuellen Debatte bei, indem sie Bildung in Indien historisch erforscht. Unter soziologischer, bildungssoziologischer und historischer Perspektive sollen neue Erkenntnisse über den Zusammenhang beziehungsweise das reziproke Verhältnis zwischen Armut und Bildung gewonnen werden. Insbesondere Fragestellungen wie beispielsweise die nach Gestaltung und Vermittlung von Wissen sollen dabei im Zentrum stehen.

Neben der Beantwortung relevanter Fragen zum rahmengebenden Sujet ist vor allem der Aufbau eines Netzwerkes zwischen den beteiligten Ländern über den Zeitraum des Projektes hinaus Ziel des Vorhabens. Mithilfe von Stipendienprogrammen, Sommerschulen, Workshops, Konferenzen und Vortragsreihen soll solch ein internationales Netzwerk etabliert und gefördert werden.

Um innerhalb eines Zeitrahmens von fünf Jahren innovative Ergebnisse hervorzubringen, hat sich die Transnationale Forschungsgruppe in erster Linie auf eine Reihe bestimmter Projekte innerhalb des umfangreichen Rahmens ihrer Hauptthematik „Poverty Reduction and Policy for the Poor between State and Private Actors: Education Policy in India since the Nineteenth century“ konzentriert. Die Unterprojekte der Forschungsgruppe verfolgen einen interdisziplinären Ansatz und beleuchten die Problemstellungen aus verschiedenen Perspektiven. In diesem Zuge können die Forschenden ihre Expertise aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Bildungssoziologie, Ökonomie und Bildungsgeschichte sowie Kultur- Religions- und Sozialgeschichte einbringen.

In der Transnationalen Forschungsgruppe haben sich sieben Forschungsgebiete herausgebildet:

  • Globale Bildungsreformen des 19. und 20. Jahrhunderts und ihr Einfluss auf die allgemeine Schulausbildung in Indien
  • Die Einführung einer allgemeinen Grundschul-/Schulausbildung zwischen Privatsektor und Bildungsbetrieb
  • Kastendiskriminierung und Bildungspolitik
  • Industrielle Restrukturierung, Informalisierung und deren Folgen für den Zugang zu Grundschulbildung
  • Erwachsenenbildung und die Popularisierung angewendeten wissenschaftlichen Wissens
  • Industrielle und technische Institutionen und die wiederauflebende Bedeutung von Handarbeit
  • Die Auswirkung schulischer Bildung auf Lebensgeschichten

Das Förderformat der Transnationalen Forschungsgruppen der MWS wurde im Jahr 2012 beschlossen. Ziel des Formats ist es, grenzüberschreitende geisteswissenschaftliche Netzwerke zu schaffen, vor allem mit Regionen, in denen Deutschland bisher institutionell wenig präsent war. Darüber hinaus sollen die Transnationalen Forschungsgruppen zur Entwicklung von nachhaltigen Forschungsinfrastrukturen auch über das Ende des Projektzeitraums hinaus beitragen. Hierfür erhält ein Institut der Max Weber Stiftung eine finanzielle Unterstützung von 500.000 Euro pro Jahr für eine Dauer von bis zu fünf Jahren. Die Transnationale Forschungsgruppe in Indien ist die erste Forschungsgruppe dieser Art. Seit Januar 2017 hat die zweite Transnationale Forschungsgruppe der Max Weber Stiftung in Dakar, Senegal ihre Arbeit aufgenommen.