Call for Papers: Figurationen und Personifikationen des Nationalen im frühneuzeitlichen Europa

Bewerbungsschluss: 15. März 2020

Internationale Tagung der Forschungsplattform „Frühe Neuzeit“ der Johannes Gutenberg Universität Mainz und des Deutschen Historischen Instituts Paris

Datum: 4.-6.11.2020

Einsendeschluss: 15.3.2020

Tagungsort: Deutsches Historisches Institut Paris Institut historique allemand 8 rue du Parc-Royal, F-75003 Paris
www.dhi-paris.fr - www.facebook.com/dhi.paris - @dhiparis

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Thomas Maissen (DHI Paris), Prof. Dr. Matthias Müller (JGU Mainz), Prof. Dr. Klaus Pietschmann (JGU Mainz)

Die Tagung setzt sich zum Ziel, das derzeit wieder aktuelle Phänomen und die Prozesse der Nationenbildung in Europa in den frühen Phasen ihrer Ausprägung (14.–17. Jh.) in inter- bzw. transdisziplinärer Perspektive zu analysieren und damit die für die Zeit des späten 18. und des 19. Jahrhunderts bereits geleisteten Forschungen um wesentliche Fragestellungen und Aspekte zu erweitern. Den Ausgangspunkt bilden zum einen das am DHI Paris durch Thomas Maissen betriebene Forschungsprojekt „Die keusche Respublica und ihr fürstlicher Liebhaber. Staatspersonifikationen in der Frühen Neuzeit“ und zum anderen das an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Aufbau befindliche Verbundprojekt „Figurationen des Nationalen in Europa (1400–1700/1900)“, das mit Blick auf das Beispiel Italien und die ItalienRezeption im Deutschen Reich staats- bzw. territorienbildende Formen der Vergemeinschaftung und ihre Verarbeitung in den Schriften der Humanisten, in der Poetik und Literatur sowie in den Künsten erforscht. Als erkenntnisleitende Prinzipien sollen auf der Tagung Prozesse der Bewusstwerdung und Instrumentalisierung kultureller, politischer wie sprachlicher Differenzen, der verdichtenden und abgrenzenden Territorialisierung, der erinnerungsstiftenden (und zunehmend patriotischen) Historisierung, sprachlichen Standardisierung sowie der stilistischen Normierung und der medialen Kanonisierung in der Historiographie, in den Literaturen und in den Künsten im interkulturellen Vergleich analysiert werden. Dabei ist in Abgrenzung von nationalen und nationalistischen Meistererzählungen des 19. und 20. Jahrhunderts „Nationsbildung“ nicht als ein linearer, eindimensionaler Prozess zu begreifen. Vielmehr gilt es die für die „Vormoderne“ charakteristische Pluralität von teils zueinander komplementären, bisweilen aber auch konkurrierenden Identitäten angemessen zu berücksichtigen. Beispielsweise war in vielen Fällen die Bindung an eine Stadt, an ein Territorium, eine Region oder eine Dynastie der Bindung an eine Nation vorgeordnet. Zugleich konnten die Konfession, insbesondere bei Adligen der Stand, die korporativ ausgeübte Profession etc. als Bindungskräfte wirken, die über ein Territorium oder einen protonationalen Staat hinauswirkten oder sogar im Widerstreit zu politischen Loyalitäten standen.
Ziel der Tagung ist somit die Untersuchung der frühen Prozesse der Nationenbildung in Europa und die damit verbundenen Ausprägungen sowie Reflexionen in den (nationalen) Sprachkulturen, den pragmatischen wie literarischen Texten, den erinnerungsstiftenden historischen Narrativen, den repräsentativen Künsten (einschließlich der Musik) und der Architektur. Mit Blick auf die von Thomas Maissen verfolgte Frage nach der Herausbildung und Kanonisierung von „Staatspersonifikationen in der Frühen Neuzeit“ befasst sich die Tagung daher zugleich mit den Prozessen einer zunehmenden Allegorisierung nationaler Identitätsbildung und mit jenen kulturellen, identitätsstiftenden Elementen, die der Etablierung von Staatspersonifikationen vorausgehen bzw. diese in der kulturellen Praxis flankieren.

Zu den genannten Themenschwerpunkte können Vorschläge für Vorträge aus den Bereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft sowie den Sprachwissenschaften eingereicht werden.
Konferenzsprachen: französisch, deutsch, englisch
Abstracts von max. 3.000 Zeichen sowie einem kurzen Lebenslauf werden bis zum 15.3.2020 per-E-Mail erbeten an: fnz(at)uni-mainz.de

Kontakt: Forschungsplattform „Frühe Neuzeit“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Geschäftsstelle: Annkatrin Kaul Jakob-Welder-Weg 11 55128 Mainz, Germany