Call for Papers: Sprachlicher Austausch und Wissenszirkulation im Habsburgerreich in der Frühen Neuzeit

Bewerbungsschluss: 28. Juni 2019

Sprachen und Sprechweisen nehmen als Forschungsgegenstand der Geisteswissenschaften einen herausragenden Platz ein. Der linguistic turn hat die Forschungswelt nachhaltig geprägt und die Untersuchung der Sprachen und besonders des Verhältnisses zwischen den Sprachen ist inzwischen ein zentrales Anliegen der Kulturgeschichte, die dafür auf Ansätze aus Nachbardisziplinen, wie beispielsweise der linguistischen Anthropologie, zurückgreift. Das vorliegende Tagungsprojekt ist Teil eines Forschungsprogramms zu den „Habsburgern in Europa“, das von den drei Forschungszentren ERLIS (Caen), CIRLEP (Reims) und CERCLL (Amiens) getragen wird, und an den Forschungsschwerpunkt des Deutschen Historischen Institut Paris zu „Wandel und Beharrung. Staatensysteme und Staatsbildungsprozesse in der Vormoderne“ anschließt. Sein Gegenstand sind die wichtigsten Vernakularsprachen derjenigen Gebiete in Europa, die im Laufe der Frühen Neuzeit unter der Herrschaft des Hauses Habsburg standen. Zwei Zugangsweisen werden dabei bevorzugt.

In den Territorien des Heiligen Römischen Reiches, wie in den Besitzungen der spanischen Monarchie (von Flandern und der Freigrafschaft Burgund bis zu den italienischen Herrschaften und der iberischen Halbinsel), zeichnet sich das Haus Österreich durch die Berücksichtigung der vorhandenen rechtlichen und kulturellen Gegebenheiten aus. In der Forschung wurde vielfach die Bedeutung von Sprachen für die Ausbildung von Identitäten und Selbst- oder Fremdbildern betont, ebenso wie für die Ausformung ideologischer und politischer Konzepte.

Somit erscheint es schlüssig, die Frage nach der Rolle der Vernakularsprachen in der Regierung und der Verwaltung der unterschiedlichen Besitzungen der Habsburger zu stellen, sowie die Frage nach deren Bedeutung für das Verhältnis zwischen Staaten und Untertanen. Entsprechende Überlegungen zum politischen Sprachengebrauch und zur zeitgenössischen Reflexion über den Gegenstand in den Herrschaftsräumen der Dynastie sind in diesem Zusammenhang sehr willkommen, ebenso wie der vergleichende Blick auf andere Praxen in den Bereichen von Politik und Verwaltung, wie beispielsweise in der französischen Monarchie vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

In Anlehnung an frühere Forschungsprogramme, die den Hauptakzent auf die Verbreitung und die Aufwertung der Vernakularsprachen am Beginn der Frühneuzeit legten, die sich für Übersetzungsleistungen und die Ausbildung kosmopolitischer und mehrsprachiger städtischer Zentren interessierten, mit einem Schwerpunkt im Mittelmeerraum oder den deutsch- und niederländischsprachigen Gebieten2 , soll die Frage gestellt und beantwortet werden, wie sich die dynastischen und politischen Verbindungen unterschiedlicher Territorien auf den sprachlichen Austausch und die wechselseitige Durchdringung von Sprachen ausgewirkt haben. Dabei sollen die oft von Konflikten und Brüchen gekennzeichneten Beziehungen innerhalb dieses von einer Dynastie kontrollierten Raumes keineswegs außer Acht gelassen werden.

Damit rücken Transfergruppen und Zentren des Austausches in den Blick, beispielsweise die vielen Spanier in Wien im 16. und 17. Jahrhundert, oder die aus deutschsprachigen, flämischen, französischen, tschechischen oder ungarischen Sprachgebieten stammenden Untertanen der österreichischen Habsburger in Spanien, um zu erkennen, inwieweit diese Präsenz anderssprachiger Personen oder Gruppen Auswirkungen hatte, die sich wiederum sprachlich oder literarisch erfassen lassen. Es soll nicht allein um die Vermittlung und Verbreitung von Sprachen gehen, sondern auch um den Austausch von Texten, handschriftlichen wie gedruckten, um die Entwicklung von Übersetzungen oder die Anpassung von Werken an die Erwartungen kulturell anders vorgeprägter Leser 4 , um die Zirkulation von literarischen Genres oder Themen sowie andere Formen der Wissenszirkulation zwischen jenen Gebieten, die nichts einte, außer der Tatsache, von einem Mitglied des Gesamthauses Habsburg beherrscht zu werden.

Modalitäten der Zusendung von Vorschlägen:

Bitte schicken Sie Ihre Vortragsvorschläge in Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch oder Italienisch in einer Gesamtlänge von maximal 250 Worten mit Ihrem Namen, Ihrem Titel und dem Namen Ihrer Forschungseinrichtung bis zum 28.6.2019 an folgende Adresse: colloque.languesh(at)gmail.com. Die Auswahl der Vorschläge soll bis zum 8. Juli erfolgen.

Organisationskomitee:

  • Éric LEROY DU CARDONNOY/Alexandra MERLE (ERLIS/Caen),
  • Herta Luise OTT/Ludolf PELIZAEUS (CERCLL/Amiens),
  • Thomas NICKLAS (CIRLEP/Reims),
  • Niels F. MAY (DHI/Paris)

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