Call for Papers: Alltagsgeschichtliche Zugänge und Perspektiven auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts

Bewerbungsschluss: 1. Oktober 2018

Bestätigung der Teilnahme: 31. Oktober 2018 
Datum der Veranstaltung: 20.-22. Februar 2019
Veranstaltungsort: Vilnius, Litauen

Im Gefolge der sozialen und politischen Transformationen seit den 1960er Jahren entwickelte sich in der Geschichtswissenschaft über die Jahre ein vermehrtes Interesse an der Alltagsgeschichte. Eine neue Generation von Historikern richtete den Fokus nicht nur auf die Gesellschaftsgeschichte, sondern auch auf scheinbar banale und kaum wahrgenommene Phänomene des alltäglichen Lebens. Sie interessierten sich für subjektive Erfahrungen einzelner Akteure, die bis dahin in den Geschichtswerken anonym geblieben waren und zudem meist nur wenige Quellen hinterließen. Auf der Grundlage von Autobiographien, behördlichen Quellen, Briefen, visuellem Material, Zeitungen, Zeitschriften und anderer Artefakte entwickelten Alltagshistoriker eigene Narrative und historisierten die soziale Praxis und soziale Strukturen. Aus dem Blickwinkel von Individuen begannen Historiker, eine Geschichte „von unten“ zu schreiben und zeigten Verbindungen zwischen mikrohistorischen Kontexten und den Meta-Erzählungen der Makrogeschichte auf.

Ziel der Konferenz ist es, aktuelle theoretische, methodische und empirische Erkenntnisse und Entwicklungen der Alltagsgeschichtsschreibung herauszuarbeiten. Gewünscht sind Beiträge, die unterschiedliche Zugänge verfolgen (theoretisch/kritische Arbeiten, empirische Studien, methodische Diskussionen) und die auch die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen überschreiten können. Darüber hinaus soll nach neuem konventionellem wie unkonventionellem Quellenmaterial gefragt werden, das der Alltagsgeschichtsforschung Impulse geben könnte. Außerdem sind Beiträge willkommen, die anhand von empirischen Fallstudien die Alltagsgeschichte im Europa des 20. Jahrhunderts in unterschiedliche politische und kulturelle Kontexte (z.B. im Spannungsfeld von Staatlichkeit/Nicht-Staatlichkeit, Religiosität/Säkularität) einbetten. Eine weitere Perspektive wirft die Frage auf, inwieweit die Fragestellungen der Geschlechtergeschichte die Forschungen zur Alltagsgeschichte befruchten und beeinflussen können, etwa im Hinblick auf „gegenderte“ Praktiken und deren Repräsentation im Alltagsleben.

Es ist der Anspruch des Workshops, neben etablierten internationalen Wissenschaftlern auch Doktoranden anzusprechen, die in ihren Projekten alltagsgeschichtliche Zugänge wählen. Wünschenswert ist es, dass die Teilnehmer eine komparative Sicht auf ihre eigenen Studien mitbringen, so dass im Rahmen des Workshops diverse geographische, soziale, politische und kulturelle Kontexte und Zugänge zusammenfinden. Mögliche Themenbereiche sind:

  • theoretische und methodologische Überlegungen über die Zugänge der Alltagsgeschichte zur Historiographie des 20. Jahrhunderts 
  • Kriegs- und Gewalterfahrungen 
  • Arbeits- und Lebensumstände 
  • Religiöse Praktiken
  • Kindheit und Ausbildung 
  • Häusliches und Familienleben 
  • Gemeinschaft, Nachbarschaft, städtisches Leben 
  • Sport und Freizeitgestaltung 
  • Massenmedien und Kino
  • Illegale Netzwerke und Kriminalität

Jeder Beitrag sollte die Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten. Reise- und Übernachtungskosten werden für angenommene Beiträge übernommen. Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Abstracts in einem Umfang von 250-500 Worten und eine Kurz-Bio sind bis zum 1. Oktober 2018 einzusenden an Dr. des. Gintarė Malinauskaitė: malinauskaite@dhi.lt

Die Veranstaltung wird organisiert von: 
Prof. Ruth Leiserowitz / Dr. des. Christhardt Henschel, DHI Warschau, und Dr. des. Gintarė Malinauskaitė, DHI Warschau, Außenstelle Vilnius