Call for Papers: Music, Performance, Architecture. Sacred Spaces as Sound Spaces between the Late Middle Ages and the Early Modern Period

Bewerbungsschluss: 15. März 2019

Internationale und interdisziplinäre Tagung
Deutsches Historisches Institut Rom / Biblioteca Apostolica Vaticana, Vatikanstadt
11.–13. Dezember 2019

Konzeption und Organisation: Klaus Pietschmann und Tobias Weißmann (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) / Deutsches Historisches Institut Rom, Musikgeschichtliche Abteilung

Wissenschaftliches Komitee: Sabine Ehrmann-Herfort, Markus Engelhardt, Teresa Gialdroni, Klaus Pietschmann und Tobias Weißmann

Mit den kompositorischen Entwicklungen zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit ging ein vielfältiger Wandel der Erfordernisse an die musikalische Aufführungspraxis einher, die mit dem Ritus und der Messfrömmigkeit in enger Wechselwirkung stand und die Kirchenarchitektur ebenso wie das Liturgie- und Musikerleben nachhaltig beeinflusste. Markantesten Niederschlag erfuhr diese Entwicklung in der Einrichtung von Sängerkanzeln und Orgelemporen, die die Wirkungsorte oft hochkarätiger Musikerequipes und Organisten bildeten und damit als Bühnen musikalischer Exzellenz fungierten. Die dauerhafte Sichtbarmachung der Musik als Teil des Gottesdienstes avancierte zu einem Kernbereich der Sakralarchitektur, während sich das identifikationsstiftende Potential dieser Orte in zahlreichen Graffiti niederschlug, etwa in der Sängerkanzel der Cappella Sistina. Die von Luca della Robbia und Donatello für den Florentiner Dom geschaffenen cantorie oder Jacopo Sansovinos pergoli im venezianischen Markusdom sind prominente Beispiele für den hohen künstlerischen Wert, der den Sängerkanzeln bereits in der Renaissance beigemessen wurde. Die mehrchörige Musikpraxis, die ausgehend vom Italien des Cinquecento ein im 17. und 18. Jahrhundert europaweites Phänomen darstellt, erforderte die Modifikation altehrwürdiger Sakralräume und die Integration von Musikerräumen in Kirchenneubauten. Das polychorale Experimentieren und insbesondere die großen Festmusiken verlangten zusätzlich die Errichtung ephemerer Musikertribünen, mit denen der Kirchenraum in seinem akustischen und musikalischen Potential ausgeschöpft werden sollte. Seit dem Editto sopra le musiche Alexanders VII. (1665) richteten sich die Päpste vermehrt gegen die architektonische Inszenierung der Musiker, die mit ihrer sicht- und hörbaren Performanz nicht wenige Gläubige vom liturgischen Geschehen ablenkten.

Die geplante Tagung nimmt die vielschichtige bislang meist disziplinär separiert untersuchte Wechselbeziehung von Musik und Sakralraum in den Blick und konzentriert sich dabei auf die Musikerkanzeln der Frühen Neuzeit. Inwiefern berücksichtigten Bauträger und Architekten musikalische Belange bei der Konzeption und Konstruktion neuer Kirchenbauten? Welche Rolle weist die Architekturtheorie der Akustik und der musikalischen Performanz zu? Wie reagierten Komponisten und Interpreten auf die architektonische und akustische Situation in Sakralräumen? Kurz: Wie gestaltete sich das Verhältnis von Kirchenmusik und -architektur?

Die Konferenz wird in Kooperation zwischen dem Deutschen Historischen Institut in Rom und dem Forschungsprojekt CANTORIA im Rahmen eines Gutenberg Forschungskolleg-Fellowships von Klaus Pietschmann ausgerichtet. Sie bildet den Auftakt zu weiteren Veranstaltungen, in denen die Wechselwirkungen zwischen Architektur, Akustik, musikalischer Aufführungspraxis im Dialog zwischen Musikwissenschaft, Kunst- und Architekturgeschichte diskutiert werden sollen.

Vorgesehen sind Referate von 30 Minuten in Deutsch, Italienisch und Englisch. Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag in Form eines Abstracts (max. 500 Wörter) und einer Kurzvita bis zum 15. März 2019 an klaus.pietschmann(at)uni-mainz.de / tobias.weissmann(at)uni-mainz.de

Konferenzsprachen sind Deutsch, Italienisch und Englisch.

Über die Auswahl der Referierenden entscheidet ein wissenschaftliches Komitee. Besondere Berücksichtigung finden Beiträge von Nachwuchswissenschaftler_innen. 
Reise- und Übernachtungskosten werden vorbehaltlich der erfolgreichen Finanzierungseinwerbung erstattet.