Call for Papers: Rückzüge – der Abzug sowjetischer und russischer Truppen aus dem Machtbereich der (ehemaligen) UdSSR seit 1985

Bewerbungsschluss: 08. Dezember 2019

Ort: Berlin

Veranstaltungsort: Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Veranstalter: Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst; Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.; Deutsches Historisches Institut Moskau; Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMZBw); Moskauer Staatliches Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO)

Datum: 16.03.2020 - 17.03.2020

 

Das Ende des Kalten Kriegs und der Zerfall der Sowjetunion resultierten in umfangreichen Abzügen des sowjetisch/russischen Militärs. Diese Vorgänge stellten für die aufgegebenen Stationierungsorte und -länder sowie für die Regionen, in die das Militär oder demobilisierte Truppen zurückkehrten, nicht nur gewaltige politische, sondern auch wirtschaftliche, ökologische und soziale Umbrüche dar, begleitet von einschneidenden individuellen Erfahrungen der betroffenen Soldaten und Zivilbeschäftigten.
Die historische Forschung hat bislang das breite europäische, zentralasiatische und kaukasische Spektrum sowie die Spannweite der nicht kriegsbedingten Rückzüge unzureichend beachtet. Sie hat sich vielmehr im Wesentlichen auf die Vorgänge in Ostdeutschland von 1990 bis 1994 konzentriert. Dabei wurden ausgewählte Problemfelder des Truppenabzugs diskutiert, kaum aber eine Gesamtschau unternommen, die Perspektiven und Situationen von Betroffenen, Stationierungs- und Rückzugsorten als miteinander verflochtene Bestandteile eines Gesamtprozesses analysiert.
Die Konferenz will diese Lücken auffüllen: Erst eine Perspektive, die das Geschehen in den ehemaligen sowjetischen Einflussgebieten in Ostmitteleuropa und im post-sowjetischen Raum selbst in einem transnationalen Zusammenhang in den Blick nimmt, kann über vergleichende Zugriffe allgemeine Herausforderungen, Bedingungen und Charakteristika der Vorgänge analysieren, mögliche Wechselbeziehungen und Dynamiken offen legen und die Bedeutung einzelner Themenfelder für verschiedene Regionen und Zeitpunkte herausarbeiten. Dadurch soll der Blick für die transnationale und gesamteuropäische Dimension der Truppenabzüge geschärft werden, die weit mehr als nur militärische Operationen darstellten.
Dazu zählen auch die zeitgenössischen Diskurse, Wahrnehmungen und Problemlagen, der Umgang mit den Hinterlassenschaften der Stationierung, die Integration der Rückkehrer sowie die erinnerungskulturelle Auseinandersetzung bzw. Verdrängung. Die Thematik soll damit konsequent über die militärischen und sicherheitspolitischen Aspekte hinaus für interdisziplinäre Untersuchungsansätze geöffnet werden.
Der umfassende Zugriff korrespondiert mit einem breiten geografischen Ansatz. Betrachtet wird eine Region, die neben Deutschland, Polen, Tschechoslowakei und Ungarn alle post-sowjetischen Staaten umfasst.
Vor diesem Hintergrund zeichnen sich für die Diskussion folgende mögliche Themen ab, ohne dass die Liste einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
Vor und während der Abzüge:
Das Verhältnis zwischen Soldaten und Zivilbevölkerung, die Beziehungen zwischen den Armeen der Stationierungsländer (NVA, UVA, PVA, Bundeswehr usw.) und den sowjetischen Militärs, entsprechende Fremd- und Selbstbilder; zeitgenössische Diskurse über Probleme oder Chancen der Stationierung (Ökologie; Wirtschaft; Recht; bilaterale Beziehungen; Sicherheitspolitik etc.)
Nach den Abzügen:
Wandlungen von Identifikationsangeboten und Loyalitäten (Sieger und Besiegte des Kalten Kriegs; alte und neue Bündnis- und Heimatarmeen); gesellschaftliche, wirtschaftliche und militärische Integration der Rückkehrer; Konversionen der früheren Stationierungsräume und ihre Integration in die neuen – freien – Umfelder; Umgang mit dem wirtschaftlichen, militärischen, sicherheitspolitischen, ökologischen und gesellschaftlichen oder rechtlichen „Erbe“; Erinnerungen und Deutungen.

Geplant sind 20-minütige Vorträge. Die Beiträge sollen in einem Konferenzband publiziert werden.
Entsprechende Vorschläge in Form eines kurzen Exposés (max. 250 Wörter, formlos, deutsch, englisch oder russisch) und eines knappen CV senden Sie bitte bis zum 8. Dezember 2019 an Christoph Meißner (meissner(at)museum-karlshorst.de).

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