Zweite Laufzeit für internationalen Forschungsverbund „Bilderfahrzeuge – Aby Warburg's Legacy and the Future of Iconology“

Seit 2013 fördert das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das internationale kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Verbundprojekt „Bilderfahrzeuge – Warburg's Legacy and the Future of Iconology“ mit Hauptsitz am Warburg Institute in London, getragen von der Max Weber Stiftung, der Universität Hamburg/Warburg-Haus, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Max-Planck-Gesellschaft, in Zusammenarbeit mit der Universität Basel. Nach einer erfolgreichen ersten Laufzeit wird der Verbund jetzt für weitere fünf Jahre bis 2023 mit 6,3 Mio. Euro gefördert.

Der Forschungsverbund hat sich zum Ziel gesetzt, die Migration von Bildern, Objekten, Ideen und Texten in transkultureller und diachroner Perspektive zu untersuchen. Maßgeblich bleiben auch in der zweiten Förderlaufzeit die Impulse, die aus der Arbeit des deutsch-jüdischen Kulturwissenschaftlers Aby Warburg (1866-1929) und seiner Kulturwissenschaftlichen Bibliothek gewonnen werden. Dies betrifft vor allem den in den letzten Jahrzehnten zunehmend verfeinerten und angereicherten methodischen Zugriff einer Ikonologie, die sich als Wissenschaft vom Bilde versteht. Neue Akzente für die zweite Förderphase werden dabei über die Schwerpunkte „Politische Ikonologie – Bilder als Akteure des Politischen“, „Globale Bilderfahrzeuge und mobiles Gedächtnis“ sowie „Kunst und Nation. Bilderfahrzeuge und Staatskultur“ gesetzt. Nach einer positiven Begutachtung der Forschungsarbeit der ersten Laufzeit im Herbst 2017 erhält der Verbund ab dem 1. Juli 2018 eine zweite Förderlaufzeit. Dafür stellt das BMBF für weitere fünf Jahre 6,3 Mio. Euro zur Verfügung.

Internationalisierung der Geisteswissenschaften

Mit der Förderung des Projekts „Bilderfahrzeuge“ unterstützt das BMBF junge Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene: Es fördert ihren Weg in internationale Forschungszusammenhänge, erhöht ihre Mobilität und verbessert die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen. Diese Förderung internationaler Kooperationen steht auch im Zusammenhang mit der Strategie der Bundesregierung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, speziell mit dem Kernziel der Internationalisierung, welches das BMBF im Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften festgelegt hat. Es soll Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken – durch weltweite Zusammenarbeit in der Forschung, Kooperationenvon Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und die gemeinsame Entwicklung von Hochschulbildung, Forschungs- und Innovationssystemen.

Besondere Verantwortung Deutschlands

Nicht zuletzt stärkt der Verbund die Beziehungen der deutschen und britischen Geisteswissenschaften unter den neuen politischen Gegebenheiten des bevorstehenden BREXIT. Das Engagement entspricht zudem der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber dem Erbe Aby Warburgs: Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg hat Deutschland 1933 verlassen müssen und an der Universität London eine neue Heimat gefunden.

Zum Forschungsprojekt

Das Projekt basiert auf der konzeptionellen Grundlage der Metapher der „Bilderfahrzeuge“ des deutsch-jüdischen Kunst- und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg. Mit dieser Metapher beschrieb Warburg den Umstand, dass seit dem 15. Jahrhundert unter anderem mit Wandteppichen, Kupferstichen und Tarockkarten, später dann mit Fotografien und Bildtelegrammen, etc. Bildformeln vervielfältigt und an weit entfernte Orte verbreitet werden konnten. Im Verbund wird die Funktion solcher Migrationsprozesse von Bildern, Objekten, Texten und Ideen bei der Formation, Transformation und Interaktion von Kulturen untersucht. Die Forschungsarbeiten umfassen individuell abgefasste Monografien, regelmäßige Workshops, Jahreskongresse sowie eine kontinuierliche Vortragsreihe am Warburg Institute London.

Hauptsitz des von der Max Weber Stiftung partnerschaftlich getragenen Projekts ist das Warburg Institute in London, wo die Mehrzahl der insgesamt fünfzehn Research Associates tätig ist; die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland werden am Warburg-Haus der Universität Hamburg und dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt. Die verantwortlichen Direktoren des Verbunds sind die Professoren Andreas Beyer (Universität Basel, der zugleich als Sprecher fungiert), Horst Bredekamp (Humboldt-Universität zu Berlin), Uwe Fleckner (Universität Hamburg/Warburg-Haus), Bill Sherman (The Warburg Institute, London) sowie Gerhard Wolf (Kunsthistorisches Institut Florenz/Max-Planck-Institut). Ständige Gäste des Direktoriums sind die Professorinnen Charlotte Klonk und Michaela Marek (beide Humboldt-Universität zu Berlin) sowie Professor Hubert Locher (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg)

Webseiten

https://www.bmbf.de/de/geistes-und-sozialwissenschaften-weltweit-744.htmlhttp://iconology.hypotheses.org/

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