A Full-Frontal History of the Romanov Dynasty: Pictorial Political Pornography in Imperial Russia

02.07.2020, Kolloquium, online

Kolloquium des DHI Moksau

Online-Vortrag von Ernest Zitzer (Duke University)

Arbeitssprache: Englisch

Konferenz-ID im Zoom: 997 8043 9251
zoom.us/j/99780439251
Ohne Voranmeldung

Zusammenfassung
Von Boris Kolonitskys These über die Rolle obszöner Gerüchte bei der Entsakralisierung der Romanow-Dynastie ausgehend, bietet der vorliegende Beotrag Einblicke in eines der frühesten Beispiele für das russische visuelle Genre der "politischen Pornographie": einen neu entdeckten "Satz" von fünf einzigartigen Aquarellen, die russische Kaiser und Kaiserinnen des 18. Jahrhunderts in flagranti delicto schildern. Eine anonyme Serie erotischer Aquarelle aus der Zeit Nikolaus I. besteht aus den sogenannten "Falt-" oder "Doppelbildern": Auf der Außenseite stellen sie Türen dar, die von einer Wache in der Uniform einer bestimmten Regierungszeit bewacht werden; auf der anderen Seite der Türen befinden sich obszöne Epigramme nach Art der pornografischen Gedichte von Ivan Barkov; und in der Mitte befindet sich eine naturalistische Szene, die russische Monarchen und ihre Favoriten während des Geschlechtsverkehrs darstellt. Der Vortrag führt aus, dass die Ursprünge dieser Serie russischer erotischer Aquarelle in der Tradition der russischen Lubok, der französischen revolutionären Pornographie sowie der offiziellen russischen Porträts und normativen Zeichnungen zu finden sind. Obwohl der "Priapismus der Imagination" (P. A. Wjasemski) anonymer Autoren und Künstler kaum als Beispiel für revolutionäre Tätigkeit betrachtet werden kann, illustriert diese neue historische Quelle einen Versuch, das "dynastische" Machtszenario zu entlarven, nach dem Kaiser Nikolaus I. und seine Familie als Anhänger von Familienwerten und Vorbilder der ganzen Nation dargestellt wurden.

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