Andrzej Leder: Die Polnische Revolution 1939–1956

07.05.2019, Buchvorstellung, Warschau

Buchvorstellung des Bandes 20 aus der Reihe Klio in Polen

Der Warschauer Kulturphilosoph Andrzej Leder analysiert in seinem historischen Essay den Kern der gesellschaftlichen Umwälzungen Ostmitteleuropas zwischen 1939 und 1956: die Ermordung der polnischen Juden unter deutscher Besatzung sowie die Zerstörung des Landadels als Folge der nach 1945 aufgezwungenen sozialistischen Ordnung. Leder erklärt in seinem einführenden Vortrag, warum es sich dabei um eine Revolution handelte, die bis in die Gegenwart nachwirkt.

Das Erscheinen des polnischen Originals löste 2014 eine breite Diskussion aus, weil Andrzej Leder darin das systematische Ausblenden des Subjektcharakters der Akteure im Zuge der „polnischen Revolution“ aufzeigt. Er erklärt die widersprüchliche Wahrnehmung einer aufgrund deutscher und sowjetischer Herrschaft nicht selbst herbeigeführten Beteiligung an diesen Prozessen: Alle Einwohner Polens wurden unmittelbar mit der Gewalt der Besatzer konfrontiert und mussten sich dazu verhalten. In der vorliegenden Analyse sieht Leder den Ausgangspunkt für ein spätes Erwachen, das den von ihm diagnostizierten „Wachtraum“ der polnischen Gesellschaft beenden kann.

Andrzej Leder, geb. 1960, Kulturphilosoph, ist Professor am Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Klio in Polen Bd. 20
Polen im Wachtraum. Die Revolution 1939–1956 und ihre Folgen
Aus dem Polnischen von Sandra Ewers
Mit einer Einführung von Felix Ackermann 
Erschienen im fibre Verlag, Osnabrück 2019
ISBN 978-3-944870-63-2, www.fibre-verlag.de

Die Veranstaltung findet am 7. Mai um 18:00 Uhr im Vortragssaal des Deutschen Historischen Instituts in Warschau statt.
Der Vortrag ist in deutscher Sprache und wird simultan ins Polnische gedolmetscht.