Angewandtes Genossentum: kollektivistische Argumente in Arbeitskonflikten in sowjetischen Betrieben der 1930er Jahre

25.02.2021, Vortrag, online

ONLINE: Angewandtes Genossentum: kollektivistische Argumente in Arbeitskonflikten in sowjetischen Betrieben der 1930er Jahre

  • 25.02.2021
  • 18.00 Uhr
  • ONLINE
  • Russland und die Sowjetunion im 20. Jahrhundert: Neue Themen, neue Zugänge

Vortrag von Marija Starun (Higher School of Economics, Saint Petersburg)

DHI Moskau in Kooperation mit Centre d'études franco-russe

Arbeitssprache: Russisch 

ID-Konferenz im Zoom: 936 1668 5592
https://dhi-moskau-org.zoom.us/j/93616685592
Passwort: 862720
Ohne Voranmeldung

Für gewöhnlich wird die sowjetische Ideologie, innerhalb deren diskursiver Logik Genossen-Beziehungen als der grundlegende Typus aller persönlichen Bindungen in der sozialistischen Gesellschaft gedacht wurden, als prägend im Sinne einer Einführung von kollektivistischen Praktiken in allen Bereichen des Lebens eingeschätzt. Wie aber gestaltete sich sowjetisches Genossentum in der Praxis? Das Projekt geht dieser Frage durch die Erforschung von Arbeitskonflikten in sowjetischen Betrieben nach. Insbesondere fokussiert es die Argumentationsweisen der Konfliktpartner und die Formen der Zusammenarbeit beider Seiten bei der Lösung von Konflikten. Wenn die Erörterung und Verurteilung durch die Genossen eine der klassischen Formen sowjetischer kollektiver Konfliktlösung war, die ein Bündel von Vor- und Nachteilen für die einzelnen Arbeiter mit sich brachte, dann erlauben die Argumente, die die Teilnehmer der Gerichtsprozesse vorbrachten, deren eigene gesellschaftliche Vorstellungen zu analysieren. Anhand einer derartigen Untersuchung lässt sich herausarbeiten, in welchem Zusammenhang das Verständnis gewöhnlicher Bürger von Gerechtigkeit mit der kollektivistischen, diskursiv festgelegten Vorgabe stand.