David und Goliath: zur Homiletik der Kriegszeit in Russland, 1700-1815

09.07.2020, Kolloquium, online

09.07.2020 | 18.00 Uhr

Ein Kolloquium des DHI Moskau.

Vladislav Rjéoutski, Denis Sdvižkov

Vortrag von Andrey Ivanov (University of Wisconsin-Platteville)

Arbeitssprache: Russisch

Konferenz-ID im Zoom: 964 1621 2644
zoom.us/j/96416212644
Ohne Voranmeldung

Zusammenfassung: Im Studium der russischen Militärgeschichte waren Predigten kein Randgenre, sondern eine wichtige Quelle der Militärpropaganda, insbesondere in der frühen Kaiserzeit. Ähnlich wie in Westeuropa versuchten Russlands Militärpredigten nicht nur die russischen Truppen und Offizierskorps mit einem patriotischen Telos anzuspornen, sondern vermittelten auch die Ziele und Erfahrungen des Krieges an die Heimatfront, d.h. an das Laienpublikum der orthodoxen Anhänger Russlands, die das Militär des Reiches durch Steuern, Wehrpflichtige und Gebete unterstützten. Wie auch in Westeuropa (vor allem in Frankreich) war das Wissen der Prediger über die militärischen Kampagnen, Strategien, Komplotte und Ereignisse ziemlich umfangreich, was ein Ergebnis ihrer engen Beziehungen zum Hof war. Da die Bischöfe in zwei Welten lebten - als gelegentliche Prediger in der Reichshauptstadt und als Verwalter ihrer ländlichen Diözesen, - so waren sie in einzigartiger Weise qualifiziert, die Botschaft an die weitgehend ungebildeten Massen des orthodoxen Russlands weiterzuvermitteln. Jedoch anders als im Westeuropa des 18. Jahrhunderts verwendeten die Prediger keine sektiererische Rhetorik, um das Feindbild darzustellen. Sie zogen es vor, die Kriege als defensiv zu bezeichnen, in denen ein schwaches Russland einem starken, gewaltigen Aggressor gegenüberstehe und fast gar keine Chance habe. Die Metapher von David, der Goliath gegenübersteht, war bei weitem das beliebteste Bild.

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