Die ungleiche Entwicklung der Regionen im Mittelalter: Das "jüngere Europa" im trans- und interkontinentalen Netzwerk

26.11-28.11.2020, Tagung, Prag

Die ungleiche Entwicklung der Regionen im Mittelalter: Das "jüngere Europa" im trans- und interkontinentalen Netzwerk

Tagung des Deutschen Historisches Instituts Warschau, DHI-Außenstelle Prag und des Centre for Medieval Studies, Prague.
Prag, 26.-28. November 2020
Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Die ungleiche Entwicklung ist als Kluft zwischen den hochentwickelten, industrialisierten Ländern und den agrarischen, vorwiegend Primärprodukte erzeugenden Ländern definiert. Dabei weisen Historiker schon seit Jahren darauf hin, dass die auf der Welt herrschende Ungleichheit aus Strukturgegebenheiten erwächst, die sich sehr langsam herausbilden und ebenso langsam verwischen (F. Braudel). Sie sind demzufolge nicht erst die Konsequenz der Industriellen Revolution, sondern begegnen durchaus in vormodernen Gesellschaften.
Wie aber entstehen Ungleichheiten und in welchen Bereichen kommen sie zum Ausdruck? Sind sie das Ergebnis einer Ungleichzeitigkeit der Entwicklung zwischen verschiedenen Regionen, die teilweise durch geografische Gegebenheiten (Ungunsträume) bedingt ist, und somit eine Konstante der vorindustriellen Gesellschaften? Oder wurden sie erst durch die Interaktionen und Konfrontationen mit ökonomisch und technologisch fortschrittlicheren Strukturen erzeugt? In diesem Falle wären die Ungleichheiten durch äußere Faktoren zustande gekommen.

Ausgangspunkt der Konferenz ist die Erkenntnis, dass das „jüngere Europa“ (J. Kłoczowski), das im Kern mit Ostmitteleuropa identisch ist, aber in einigen Phasen des Mittelalters den Balkan und die Rus’ einschließt und bis nach Skandinavien ausgreift, bereits seit dem frühen Mittelalter in kontinentale und interkontinentale Interaktionsnetzwerke einbezogen war. Dabei erreichte der Verflechtungsgrad im nordwestlichen Eurasien bereits im 9. und 10. Jahrhundert beachtenswerte Dimensionen. Besonders zwischen etwa 900 und 950 liefen die Silberminen in Usbekistan auf Hochtouren, um die Märkte vom Ural bis an den keltischen Rand im Atlantik und von der Krim bis Mittelschweden zu bedienen.

Die Analyse verschiedener Einzelaspekte soll auf der Konferenz anhand ausgewählter Indikatoren und in vergleichender Perspektive erfolgen. Hierzu gehören folgende Bereiche:

  • Handel und Warenproduktion;
  • Monetarisierung und Kommerzialisierung;
  • Herrschaft und Landgemeinde;
  • Städte und Bürgerrechte;
  • Stellung der Bauern;
  • Universitäts- und Klosterbildung;
  • Imaginierte Ungleichmäßigkeit und Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen

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