Formen mittelalterlicher Kommunikation

07.–10.07.2013, Sommeruniversität, DHI Paris

Die Sommeruniversität diskutiert die unterschiedlichen Erklärungs- und Deutungsansätze dessen, was unter "Kommunikation im Mittelalter" zu verstehen ist. Sie wird von R. Lützelschwab (FU Berlin), J. Führer, R. Große (DHIP) und M. Clouzot (Université de Bourgogne, Dijon) organisiert.

Eine verbindliche Definition dessen, was unter "Kommunikation im Mittelalter" zu verstehen ist, existiert nicht. Hinter dem Oberbegriff "Kommunikation" verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Verständigungs- und Ausdrucksformen. Theorie und Praxis präsentieren sich ausgesprochen vielschichtig: Definitorische Vereinfachungen verbieten sich deshalb von selbst. Gleichwohl hat die mediävistische Kommunikationsforschung in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von Aspekten behandelt, die Annäherungen an den Problemkomplex erlauben. In der Sommeruniversität sollen diese unterschiedlichen Erklärungs- und Deutungsansätze diskutiert werden.

Kommunikation wirkt sinnstiftend und ordnend – egal, ob in mündlicher oder schriftlicher Form – und dient der Verständigung zwischen Gruppen und Personen. Dass sie jedoch sehr viel mehr umfasst als bloße Informationsvermittlung, in die ein Sender und ein Empfänger eingebunden sind, liegt auf der Hand. Als für die Mediävistik ausgesprochen anregend hat sich der Blick auf Aspekte symbolischer Kommunikation erwiesen, die für das Verständnis mittelalterlicher Lebenswirklichkeit von zentraler, weil ordnungsstiftender und ordnungsstabilisierender Bedeutung sind. Dabei bedürfen rituelle Handlungen und inszenierte Akte (in non-verbaler Form) jedoch einer von allen Kommunikationsteilnehmern akzeptierten und verstandenen "Symbolsprache", um tatsächlich aussagekräftig zu sein. Besonders sinnfällig tritt dies bei derjenigen Handlung vor Augen, die im Mittellateinischen vor allem als communicare bezeichnet wird: dem Empfang der Kommunion. Neben die Liturgie als Symbolsprache mit verbalen und non-verbalen Anteilen tritt – um nur ein Beispiel aus dem weltlichen Bereich zu nennen – die Heraldik, die ebenfalls mit einem komplexen symbolischen Kommunikationssystem operiert, dessen Aussagekraft derzeit wieder verstärkt für die Mediävistik nutzbar gemacht wird. Neben die für das Mittelalter typischen asymmetrischen, hierarchisch strukturierten Kommunikationssituationen treten solche, in denen auf Augenhöhe "kommuniziert" wird. Reibungspunkte ergeben sich dabei aber nicht nur aus dem Spannungsverhältnis sprachlich-nichtsprachlich, sondern auch aus der Konkurrenzsituation von Latein und Volkssprache(n) oder von Volkssprachen untereinander. Was geschieht, wenn die normative Geltung konsensorientierter Verständigungsformen in Zweifel gezogen oder gar in Abrede gestellt wird? Wie ist das Moment der Kommunikationsverweigerung als bewusst herbeigeführte Sprachlosigkeit zu bewerten? Wie werden in diesem Falle Konflikte kommunikativ bewältigt? Vor diesem Hintergrund ist auch grundsätzlich danach zu fragen, welche Bedeutung denjenigen Institutionen zukommt, für die Kommunikation gleichsam eine raison d’être darstellt, beispielsweise die Universität, selbstverständlich auch die Kirche? Wie ist es um die Leistungsfähigkeit von Kommunikationsformen wie collationes oder auch Predigten bestellt? Wie ist die Aussagekraft von Briefen als verschriftlichte Form einer Kommunikationssituation zu werten, die eigentlich auf verbalen Austausch setzt?

Die deutsch-französische Sommeruniversität richtet sich vor allem an Doktoranden und Doktorandinnen, deren Forschungsprojekte sich mit Aspekten von Kommunikation im Mittelalter befassen. Im interdisziplinären und internationalen Rahmen des Deutschen Historischen Instituts Paris besteht im engen Austausch mit ausgewiesenen Experten unterschiedlicher Disziplinen die Möglichkeit, Projekte vorzustellen und zu diskutieren.

Der CfP richtet sich an Doktoranden (ausnahmsweise auch an Postdoktoranden) der Geschichts- und Kulturwissenschaften, Rechtsgeschichte, Theologie und der (mittelalterlichen) Philologien.

Konferenzsprachen: Deutsch, Englisch, Französisch

Bewerbungsunterlagen (deutsch, englisch oder französisch): kurzer Lebenslauf, falls vorhanden eine Publikationsliste, ein Projektexposé (von höchstens 2 Seiten oder ungefähr 10.000 Zeichen) mit Darlegung der Motivation, an der Sommeruniversität teilzunehmen, sowie ein wissenschaftliches Gutachten. Voraussetzung zur Teilnahme ist das sichere Beherrschen von zwei Konferenzsprachen.

Unterlagen bitte in elektronischer Form (ein pdf-Dokument) bis zum 15. März 2013 an Dr. Ralf Lützelschwab mit dem Kennwort "Sommeruniversität 2013".
Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen.

Organisationskomitee:
M. Clouzot (Univ. de Bourgogne, Dijon)
J. Führer (DHIP)
R. Große (DHIP)
R. Lützelschwab (FU Berlin)

DHI Paris