Prof. Dr. Maurus Reinkowski: Strategien der Selbstdarstellung im Osmanischen Reich um 1900

16.02.2022, Vortrag, online

OI Istanbul, 16.02.2022 19:00

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Die Zeit um 1900, also die Zeit der Herrschaft von Sultan Abdülhamid II. (reg. 1876-1909), war vom Bemühen geprägt, sich gegenüber den übermächtigen europäischen imperialen Staaten zu behaupten. Unter den Strategien einer positiven Selbstdarstellung boten sich fotografische Selbstdokumentationen des Osmanischen Reiches in besonderer Weise an. Das aus dieser Zeit erhaltene umfangreiche Bildmaterial verdankt sich zu großen Teilen privaten Ateliers wie Abdullah Frères und Sébah & Joaillier, aber auch staatlichen Zusammenstellungen von fotografischem Material, wie etwa die heute am British Museum und in der Library of Congress vorhandene «Abdülhamid Collection», aus der auch die Aufnahme aus dem Frauenkrankenhaus in Hasköy stammt. Solche Formen der Selbstdarstellungen hatten aber ihre Schattenseiten: Die Monotonie und Leblosigkeit der Abbildungen in diesen fotografischen Sammlungen sind erstaunlich. Zudem traten neben den erwünschten Formen der Selbstdarstellung die politische Unberechenbarkeit dieses neuen Mediums: Bedenken von Abdülhamid II. gegenüber der Fotografie waren berechtigt, da eine unkontrollierte Bildverbreitung politisch problematisch sein konnte. Der Vortrag wird nachzeichnen, welche Formen und Strategien der Selbstdarstellung dem Osmanischen Reich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zur Verfügung standen und dabei in besonderer Weise auf das Medium der Fotografie blicken.

 

Maurus Reinkowski ist seit 2010 Professor am Seminar für Nahoststudien, Departement Gesellschaftswissenschaften, an der Universität Basel. Er studierte an den Universitäten LMU München, Boğaziçi (Istanbul) und Wien. 1995 promovierte er an der Universität Bamberg über historiographische Deutungen des spätosmanischen Palästinas. Im Anschluss an einen Forschungsaufenthalt am Van Leer Jerusalem Institute (1995-1996) war er zwei Jahre wissenschaftlicher Referent am Orient-Institut Istanbul (1996-1998); anschließend Assistent an der Universität Bamberg und dort 2002 Habilitation über die osmanische Reformpolitik im 19. Jahrhundert. Von 2004 bis 2010 war Maurus Reinkowski Professor für Islamwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau und in den Jahren 2008-2010 Senior Fellow an der School of History, Freiburg Institute of Advanced Studies. Im Herbst 2015 war Maurus Reinkowski Gastprofessor an der Sabancı-Universität Istanbul. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der neueren und neuesten Geschichte des Nahen Ostens und des östlichen Mittelmeerraums. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen der gemeinsam mit Thomas Demmelhuber und Axel Paul veröffentlichte Sammelband «Arabellion – Vom Aufbruch zum Zerfall einer Region?» (Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 2017) und die Monographie «Geschichte der Türkei. Von Atatürk bis zur Gegenwart» (München: C.H. Beck-Verlag, 2021).