Recht als Kultur - Max Webers vergleichende Kultursoziologie des Rechts

25.–27.10.2012, Internationale Tagung, Käte Hamburger Kolleg "Recht als Kultur"

Die Tagung gilt einem der Theorieproduzenten, Max Weber, auf den sich die Kollegarbeit in kritischer Fortführungsabsicht, neben Emile Durkheim, seit Kollegbeginn bezieht. Weber, der von Haus aus Jurist war, ist in seiner Art des Denkens und Forschens von seiner juristischen Sozialisation bis in die Begriffsbildungsstrategien, die ihn berühmt und berüchtigt gemacht haben, in eigentümlicher Weise geprägt. Seine Schriften zum Recht allerdings, insbesondere seine "Rechtssoziologie", haben nur wenige Freunde gefunden.

Die Herausgeber des Rechtsbandes (MWG I/22-3) meinen, dies ein Stück weit erklären zu können. Im Band wird eine "Éloge de la variante" kultiviert, die den schwierigen Prozess der Verfertigung der Gedanken im Prozess des Schreibens für den Leser nachvollziehbar machen soll. Soweit behauptet Philologie, im Dienste des besseren Verstehens zu stehen. Der Anspruch dieser Tagung reicht weiter, denn wie ist eigentlich die Rolle des Rechts im Prozess der okzidentalen Rationalisierung zu verstehen? Ist nicht Religion der für Weber entscheidende Weichensteller?

Wir gehen weiter von dem mehrfach begründeten Verdacht aus, dass die Auseinandersetzung mit Webers Deutungen der Sachanalyse zuträglich ist, insbesondere für eine "Rechtsanalyse als Kulturforschung". Zu diesem Zweck haben sich Kenner und Kritiker der Weber‘schen Rechtsschriften aus aller Welt - von Minneapolis bis Kairo, von Paris bis Madrid und von Warschau bis London und Delhi - zusammengefunden, um einen neuen Blick auf diese Schriften zu wagen und für die drängenden Fragen unserer Zeit zu nutzen, in der eben nicht nur die "formalen" Qualitäten des modernen Rechts gefragt sind, sondern zunehmend seine kulturellen Geltungsgrundlagen ins Spiel kommen.