The Politics of Bodies at the Early Modern Court

29.-30.05.2017, Konfernez, DHI Paris

Konferenz am DHIP, organisiert von Regine Maritz (DHIP), Eva Seemann (Universität Zürich) und Tom Tölle (Universität Princeton)

Frühneuzeitliche Höfe als politische Zentren und Orte der Vergesellschaftung von Eliten brachten eine besondere Form von Körperkultur hervor. So war der Alltag am Hof über eine Fülle unterschiedlicher körperlicher und körperbezogener Praktiken organisiert: divertissements wie das Reiten, Jagen, Spielen und Tanzen strukturierten das höfische Leben ebenso wie die gemeinsamen Mahlzeiten und Bankette, die zahlreichen Festlichkeiten im höfischen Jahreskalender sowie andere Formen höfischer Interaktion. Dabei haben jüngere Studien gezeigt, dass im Rahmen dieser Praktiken längst nicht nur der Fürstenkörper von Bedeutung war. Überall bei Hof wurden Statusunterschiede über Kleidung, Habitus, Körperhaltung, Schönheit und Gesundheit (re)produziert und vermittelt. Der ideale Höfling wurde nicht zuletzt über körperliche Attribute und ein bestimmtes Körperwissen definiert, das auch im Kontext frühneuzeitlicher Männlichkeitsdebatten an Bedeutung gewann. Zur selben Zeit begannen Körperbilder wie das der »Landesmutter« im politischen Diskurs zwischen Dynastie und Untertanen zu vermitteln. Erzieher, Beichtväter, (Leib)ärzte, Barbiere, Apotheker und andere Diener kümmerten sich um die schönen, gesunden und gebrechlichen Körper der Fürstenfamilie, waren aber auch für die Versorgung von Höflingen und Angehörige des Hofpersonals verantwortlich.

Wie lässt sich Hofgeschichte als Körpergeschichte schreiben? Welches (implizite und explizite) Körperwissen ist für den frühneuzeitlichen Fürstenhof spezifisch? Und was unterscheidet die skizzierten Körperpraktiken am Hof von denen außerhalb des Hoflebens?

Angelehnt an innovative Arbeiten der jüngeren Hofforschung, die die Bedeutung der leiblichen Seite des Hoflebens betont haben, wirft die Tagung neues Licht auf Körper und Körperpraktiken am Hof im Spannungsfeld von Politik, Medizin und Geschlecht. Ziel ist es, ein Forum zu schaffen, um NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem Umfeld von Hofforschung, Politik- und Körpergeschichte miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die Konferenz findet auf Englisch und Französisch statt.

Teilnahme nur mit vorheriger Anmeldung an event(at)dhi-paris.fr

Programm