Call for Papers: Wahrnehmung und Darstellung von Grenzen und Grenzräumen in der Vormoderne (9.–18. Jahrhundert)

Bewerbungsschluss: 30. November 2018

Sommeruniversität in Paris (21.–24. Mai 2019)

Veranstaltungsort: Deutsches Historisches Institut Paris, 8 rue du Parc-Royal, 75003 Paris

Organisation: Maximilian Groß und Robert Friedrich (DHIP) in Zusammenarbeit mit Christophe Duhamelle (EHESS), Rainer Babel, Rolf Große (DHIP) und Sven Jaros (Universität Leipzig)

Das Erforschen von Grenzen und Grenzräumen ist aktuell nicht nur in den Geschichts-, sondern auch in anderen Geisteswissenschaften von großer Bedeutung. Die Sommeruniversität, die im Mai 2019 am Deutschen Historischen Institut Paris stattfindet, widmet sich diesem Thema aus einer transnationalen und transepochalen Perspektive. Thematisch knüpft die Sommeruniversität an die jüngere Forschung an, die jenseits von starren Zentrum-Peripherie-Modellen differenzierte Wege zur Beschreibung und Analyse von Grenzräumen geht. Die Kategorien »Zentrum« und »Peripherie« erscheinen als kontext und empfängerabhängig, und die große Bedeutung lokaler Akteure beiderseits der Grenze bzw. im Grenzraum wird vermehrt betont. Der spatial turn hat außerdem dazu beigetragen, dass der Konstruktionscharakter von Grenzen und Grenzräumen sowie deren Wahrnehmungen und Darstellungen verstärkt untersucht werden. Die Sommeruniversität nähert sich dem Thema aus zwei Perspektiven. Erstens: Um das Phänomen vormoderner Grenzräume untersuchen zu können, soll deren Darstellung in den Quellen ins Licht gerückt werden. Diese Quellennähe trägt zum einen dazu bei, eine ahistorische, moderne (Re-)Konstruktion des Konzeptes »Grenzraum« zu vermeiden und zum anderen dazu, zu verstehen, wie Grenzräume in verschiedenen Kontexten beschrieben wurden. Zweitens: Um Grenzräume differenzierter betrachten zu können, sollen diese konsequent in ihren jeweiligen regionalen Verflechtungen kontextualisiert werden. In dieser Regionalisierung, die mit einer partiellen Dekonstruktion des Grenzraums als uniformen Konzepts mit allgemeingültigen Spezifika einhergeht, können die Räume aus starren Modellen gelöst und in ihren eigenen, vielfältigen und nicht schablonenartig erfassbaren Qualitäten und Dynamiken beschrieben werden.

Der Zuschnitt der Sommeruniversität ermöglicht es dabei, Fallstudien aus Mittelalter und Früher Neuzeit miteinander zu vergleichen und so neue Perspektiven auf Territorialisierungs- und Staatsbildungsprozesse in ihrer jeweiligen Einzig- und Verschiedenartigkeit zu gewinnen. Dieser Zuschnitt wird nicht durch einen geographischen Rahmen begrenzt: So können sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerben, deren Themen deutsch-französische, europäische, aber auch globale Räume betreffen.

Folgende Fragestellungen können bearbeitet werden:

  • Wie werden Grenzen in vormodernen Quellen dargestellt?
  • Welchen Zweck verfolgen die jeweiligen Autorinnen und Autoren mit diesen Darstellungen?
  • Welche Begriffe und Konzepte werden zur Beschreibung von Grenzen und Grenzräumen verwendet?
  • Welche Quellen(-gattungen) berichten über Grenzen und Grenzräume?
  • Welche Rolle spielen »Zentralmächte« in Grenzfragen?
  • Welche Rolle spielen die lokalen Akteure?
  • Unterscheiden sich die Darstellungen in Bezug auf den Adressaten des jeweiligen Textes?
  • Lassen sich verschiedene Stilisierungen ein und desselben Raumes zur gleichen Zeit beobachten?
  • Wie ordnen sich Grenzkonflikte in größere politische Zusammenhänge ein?
  • Wie werden Grenzen in verschiedenen Kontexten konstruiert?
  • Inwiefern ist die Darstellung ein und desselben Grenzraums kontextabhängig?
  • Inwiefern wandelt sich das Bild von Grenzräumen mit der Zeit?

Die Sommeruniversität wird insgesamt 14 Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und erfahrenen Master-Studierenden mit einem einschlägigen Abschlussprojekt Gelegenheit geben, ihre Arbeiten zu präsentieren. Die Vorträge (ca. 20 Minuten) werden jeweils durch andere Teilnehmende kommentiert. Im Vorfeld der Tagung werden Abstracts der Beiträge auf dem Blog »Veranstaltungen am DHIP« publiziert, um die Projekte einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Neben den Vorträgen der Teilnehmenden wird es zwei Einführungsvorträge zur Grenzraumforschung in Deutschland und Frankreich geben, wobei Susanne Rau (Erfurt) den deutschen und Léonard Dauphant (Metz) den französischen Teil übernimmt. Im Rahmen der Reihe »les Jeudis de l’IHA« wird David Abulafia (Cambridge) einen öffentlichen Abendvortrag zum Thema »Maritime Spaces. Historical and Methodological Reflections« halten. Das Programm wird durch einen Besuch der Kartensammlung der Archives nationales beschlossen, der den Teilnehmenden die Möglichkeit gibt, über vormoderne Grenzdarstellungen an topographischen Quellen zu reflektieren.

Praktische Informationen: Die Reise- und Übernachtungskosten werden – vorbehaltlich der Förderzusage durch die Deutsch-Französische Hochschule – von den Organisatoren übernommen. Arbeitssprachen der Sommeruniversität sind Deutsch und Französisch, Vorträge auf Englisch sind jedoch möglich. Die aktive Beherrschung einer Fremdsprache und das passive Verständnis der zweiten Fremdsprache werden vorausgesetzt. Eine Anbindung an eine deutsche oder französische Hochschule ist erwünscht, aber keineswegs eine Voraussetzung. Bitte senden Sie die folgenden Bewerbungsunterlagen in einer der Konferenzsprachen an Maximilian Groß (mgross(at)dhi-paris.fr) und Robert Friedrich (rfriedrich(at)dhi-paris.fr): Abstract des geplanten Vortrags (max. eine Seite), akademischer Lebenslauf mit Publikationsliste (sofern vorhanden), Angaben zu Ihren Sprachkenntnissen.

Bewerbungsschluss ist der 30. November 2018.