Biografie, Autobiografie und Selbstportrait in der Kultur der Renaissance

18.-19. Oktober 2016, Internationale Konferenz, Moskau

Moskauer Staatliche Lomonossow-Universität, Historische Fakultät

Internationale Konferenz

Organisatoren
Kommission für die Kultur der Renaissance des Wissenschaftsrats der Russischen Akademie der Wissenschaften „Geschichte der Kulturen der Welt“, Lehrstuhl für die Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Historischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Lomonossov-Universität, Deutsches Historisches Institut Moskau

Konzept der Konferenz
Das Interesse am Menschen als Träger singulärer Lebenserfahrung und an seinem Werdegang, an seinen Idealen und Einstellungen, an seiner Selbstreflexion und Selbstrepräsentation in Bezug auf die ihn umgebende Welt und seine Epoche stellt den Kern der Kultur der Renaissance dar. Im Gegensatz zum Mittelalter mit ihrer statischen eschatologischen Problemerkenntnis und ihrer vor allem auf die Heiligen bezogenen Helden-Typologisierung sowie ihrer beinahe vollständigen Ausrichtung auf den mystisch-religiösen Weg persönlicher Erlösung, stützten sich die Lebensgeschichten der Renaissance auf weltliche Erfahrungen und brachten eigenständige Ausdrucksformen in der Literatur und den bildenden Künsten hervor. Inspiriert vom antiken kulturellen Erbe, gingen die Autoren der Renaissance weit über die für die alten Griechen und Römer charakteristischen Apologien der staatstragenden Männer hinaus. Den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit bildeten die Persönlichkeit und ihre Entwicklung. Durch ihre Beschreibung und Analyse markierten sie eine eigenständige Epoche.
Die Spezifik der Biografien, Autobiografien und Selbstportraits der Renaissance   macht unverändert das Wesen der weitläufig geführten Fachdiskussion aus. Ihre Einschätzungen und Interpretationen bzw. ihre zuweilen hitzige Kontroverse über die Schöpfer dieser Werke und die von ihnen abgebildeten historischen Persönlichkeiten sowie über die Bedeutung dieser Werke im größeren Zusammenhang prägten die Herausarbeitung der wichtigsten typologischen Konzepte der Kultur der Renaissance. Doch bei der Erforschung der Biografien, Autobiografien und Selbstportraits der Epoche der Renaissance bestehen weiterhin Erkenntnis- und Urteilsproblematiken, darunter Fragen quellenkritischer und methodologischer Art sowie in Bezug auf  bisher „übersehene“ und unterbewertete Texte und Werke der historischen Figuren. Diese Probleme zu lösen erfordert neue analytische und interpretative Zugänge. Es ist das Ziel der angedachten Konferenz, dies zu diskutieren.

Im Verlauf der Konferenz wird folgender Themenkreis behandelt werden:

1. Biografien und Autobiografien in der Renaissance: Hintergründe, Typologien, Genres und stilistische Besonderheiten

  • Einfluss des klassischen Kanons der Lebensbeschreibung auf die Herausbildung der (Auto-)Biografik der Renaissance
  • die Rolle mittelalterlicher Hagiographie, Beichtliteratur und exempla in der Herausbildung der Biografie-Schreibung der Renaissance
  • Übersetzung und Edition klassischer Biografien in der Epoche der Renaissance
  • biografische Sammelbände und vergleichende Lebensbeschreibungen
  • Elemente der Lebensbeschreibung in „grenzüberschreitenden“ Genres (historische Abhandlungen, Lobreden, Grabinschriften, Tagebücher, Memoiren, Reisebeschreibungen, Familienchroniken)
  • Funktionen der (Auto-)Biografie in der politischen Kultur

2. Biografien und die Anthropologie der Renaissance

  • das humanistische Menschenbild und seine Spiegelung in der (Auto-)Biografie
  • Ich-Bewusstsein, individuelle und kollektive Identitäten
  • „die Modellierung des Selbst“ in der Autobiografie der Renaissance, Archetypen und Beispiele für ihre Nachahmung

3. Lebensgeschichten in der bildenden Kunst

  • Lebenszyklen in der Kunst der Renaissance
  • Grabmonumente als Abbildungen von Lebenswegen
  • das Selbstportrait als „Autobiografie“ des Individuums sowie seine Formen und Funktionen