Bistümer im Übergang. Vom Ende einer Bischofsherrschaft zur Nachfolge (Frankreich und Deutschland, 10.–13. Jahrhundert)

05.-06.12.2016, Tagung, DHI Paris

Wissenschaftliches Komitee: Véronique Gazeau (Universität Caen), Rolf Große (DHI Paris), Gerhard Lubich (Ruhr-Universität Bochum), Laurent Morelle (École pratique de hautes études) und Benoît-Michel Tock (Universität Straßburg).

Der Tod eines Bischofs beschließt ein Leben und lässt ein Amt vakant zurück, für Tage oder Wochen, mitunter gar für Jahre. Doch auch andere Faktoren wirken ähnlich – Vertreibung, Absetzung oder Rücktritt. Die nunmehr einsetzende Zeitspanne, kirchenrechtlich »Interim« genannt, fand in der Forschung ebenso Beachtung wie der Weg zum Bischofsamt, von der Wahl hin zur Investitur. Ziel der Tagung ist es, erstmals den gesamten Prozess vom Ende einer Bischofsherrschaft bis zum Beginn einer neuen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Dabei sollen weniger der abtretende Bischof und sein Nachfolger in den Blick genommen werden als vielmehr das Bistum und die in ihm maßgeblichen Kreise. 

Die Fragestellungen hierzu sind weitreichend. Als eine Art Gradmesser der institutionellen Verfestigung des betroffenen Bistums kann die Beobachtung der Zwischenzeiten gelten. Wie etwa sahen die Verfahrensrichtlinien aus, die zur Überbrückung des Interims zwar zu jeder Zeit bestanden haben dürften, zunächst wohl eher eingeübt durch Tradition, später dann durch die Setzungen eines kirchlichen Recht? Eine ähnliche Fragerichtung ergibt sich für den daran beteiligten Personen- oder Institutionenkreis: Gewiss verfolgte man für die Neubesetzung die Leitlinie der Wahl, doch die Frage nach dem Wählerkreis wurde von Fall zu Fall unterschiedlich beantwortet. Die Frage des Einflusses weltlicher Gewalten wie auch der päpstlichen Instanz bedarf ebenfalls der Berücksichtigung.

Neben diesem institutionellen Zugang, der nach Normen, Verfahren und Beteiligten fragt, bietet sich ergänzend eine stärker kulturell ausgerichtete Perspektive. Einzusetzen ist mit der Bewertung und Schilderung des Bischofstodes, zumal das Ableben im Mittelalter durchaus als Spiegelbild des Lebens betrachtet werden konnte. Es schließen sich an die Fragen nach Ort und Gestalt der Memoria, von der Grablege hin zur der historiografischen Erinnerung, die Bewertung von Wahlen, Konflikten und Einsetzungen. 

Dieses Panorama soll an Themen aus der Geschichte Frankreichs und Deutschlands entwickelt werden, zumal diese ganz grundlegend die kirchlichen Strukturen Europas prägten. Als zeitlicher Ansatz bietet sich das Hochmittelalter an, in dem einerseits die Trennung des Frankenreiches in zwei Reiche gerade vollzogen war, während sich die Zentralfunktion des Papsttums verstetigte und zu einem zentralisierten Einflussfaktor von neuer Qualität wurde.