Der Papst und der Krieg. Kuriale Diplomatie am Kaiserhof 1628 – 1635

05.-06.12.2016, Internationale Tagung, DHI Rom

Die jüngsten Publikationen der 4. Abteilung der Nuntiaturberichte aus Deutschland: Eine Bilanz

Das DHI Rom hat in den letzten Jahren die offizielle Korrespondenz der päpstlichen Nuntien vom Kaiserhof mit der römischen Kurie zwischen 1628 und 1635 durch vier, von Rotraud Becker bearbeitete, Publikationen wissenschaftlich weiter erschlossen. Die nun verfügbaren Quellen werfen ein neues Licht auf die dramatischen Umbrüche dieser höchst komplexen Phase des Dreißigjährigen Kriegs. Zielsetzung der vom 5. bis 6. Dezember 2016 stattfindenden internationalen Tagung ist es, das Verhältnis zwischen Papst und Kaiserhof/Reich während dieser Krisenzeit auf Grundlage der aktuellen Publikationen im europäischen Kontext neu zu bestimmen. Vorgesehen sind unter anderem eine Keynote-Lecture von Wolfgang Reinhard und eine Round Table zu künftigen Projekten der Grundlagenforschung am DHI Rom im Bereich der Frühen Neuzeit.

"Die Zeit zwischen 1628 und 1635 zählt zu den komplexesten Phasen des Dreißigjährigen Kriegs. Die dramatischen Umbrüche dieser Jahre fanden ihren Niederschlag in der offiziellen Berichterstattung der päpstlichen Gesandten am Kaiserhof. Breiten Raum nimmt zu Beginn der Periode zunächst die mantuanische Sukzession und der sich anschließende Krieg ein, die mit der Eröffnung eines Nebenkriegsschauplatzes auf der Appeninhalbinsel zwangsläufig die Interessen von Papst und Kurie berührten. Die beherrschenden Themen im Reich bildeten dann um 1630 das Restitutionsedikt und die Wallensteinkrise. Die "Internationalisierung" des Krieges fand ihre Fortsetzung durch das Eingreifen des mit Frankreich verbündeten Schweden. In engem Zusammenhang damit verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Papsttum und Spanien bzw. Kaiserhof mit entsprechenden Folgen für das Ansehen und die Möglichkeiten der Wiener Nuntiatur. Ihren Tiefpunkt erreichte diese Entwicklung mit der Borja-Krise und Pázmány-Mission 1632. Eine wichtige Teilfriedenslösung für das Reich konnte 1635 im Prager Frieden erreicht werden. Gleichzeitig reift in jenen Jahren an den europäischen Fürstenhöfen die Überzeugung, dass eine nachhaltige Friedensordnung nur über einen allgemeinen, multilateralen Friedenskongress zu erreichen sei.

Zielsetzung der Tagung ist es, im Kreis von Fachwissenschaflterinnen und Fachwissenschaftlern das Verhältnis zwischen Papst und Kaiserhof/Reich auf dem Höhepunkt des Dreißigjährigen Kriegs auf der Grundlage der neuesten Publikationen der 4. Abteilung der Nuntiaturberichte aus Deutschland neu zu bestimmen und deren Quellenwert für Forschung und Lehre aufzuzeigen."

 

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