Ein kriminalstatistisches Ost-West-Gefälle. Verbrechensraten und polnische Bevölkerung im Deutschen Kaiserreich (1871-1914)

30.10.2018, Vortrag, DHI Warschau

Prof. Dr. Volker Zimmermann (München/Düsseldorf)

Als die erste offizielle Kriminalstatistik des Deutschen Kaiserreichs veröffentlicht wurde, konnten aufmerksame Beobachter einen Ost-West-Gegensatz aus den Zahlen der wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze verurteilten Personen feststellen: Die Tatsache war offensichtlich, dass 1882 im östlichen Teil des Reiches, den preußischen Ostprovinzen, mehr Menschen als anderswo vor Gericht standen. Zahlreiche Statistiker, Juristen und andere Autoren vermuteten, dass die polnische Bevölkerung in diesen Regionen für dieses kriminalstatistische Ost-West-Gefälle verantwortlich war. In dem Vortrag werden kriminologische und publizistische Diskussionen nachgezeichnet und es wird nach den Hintergründen für die Kriminalisierung der polnischen Bevölkerung gefragt. Welche Deutungsmuster und Mechanismen begünstigten das Bild vom kriminellen „Fremden“, das bekanntlich auch heute noch in vielfältiger Form in Diskussionen über sogenannte „Ausländerkriminalität“ allgegenwärtig ist?

Weiterführende Informationenhttp://www.dhi.waw.pl/veranstaltungen/vortraege/detail/news/prof-dr-volker-zimmermann-muenchenduesseldorf-ein-kriminalstatistisches-ost-west-gefaelle-ver.html