Europa-Vorstellungen im Mittelalter – ein Kontinent gewinnt Konturen

24.09.2018, Vortrag, Vilnius

Prof. Klaus Oschema (Ruhr-Universität Bochum)

Lange nahm die Forschung an, der Name Europa habe für die Gesellschaften des Mittelalters keine größere Bedeutung gehabt. Zugleich kam es seit den 1980er Jahren zu einer wahren Inflation an «Europa-Bezügen» in mediävistischen Publikationen – Europa ersetzte als Bezugsrahmen die «Nation». Tatsächlich werden aber beide Positionen den historischen Befunden nicht gerecht.

Dieser Vortrag wird anhand wichtiger Wegmarken einen Überblick zu den Europa-Vorstellungen mittelalterlicher Autoren und Denker präsentieren: von ersten Ansätzen des frühen Mittelalters und einer karolingischen «Hochphase» über verschiedene Kontexte, in denen «Europa» polemisch eingesetzt werden konnte (Kreuzzüge, sog. «Türkenkriege» des 15. Jahrhunderts), bis zu stärker strukturell ausgerichteten, kulturellen Auffüllungen des Begriffs. Dabei spielten immer wieder die Grenzziehungen eine bedeutende Rolle, sowie polemische Aufladungen in Momenten «äußerer Bedrohung». Abschließend ist daher zu fragen, wie der polemische Einsatz realisiert wurde, der den Namen des Erdteils zu einer Art «Kampfbegriff» machen konnte.

Weiterführende Informationen: http://www.dhi.waw.pl/veranstaltungen/vortraege/detail/news/prof-klaus-oschema-ruhr-universitaet-bochum-europa-vorstellungen-im-mittelalter-ein-kontinent.html