Internationale Tagung „Gebirge – Literatur – Kultur“: Berge als Grenze und als Transgressionsraum

14.-16.11.16, Konferenz, DHI Washington

Die vierte Konferenz der Reihe „Gebirge – Literatur - Kultur” wird sich aus der Perspektive der Grenzforschung der Rolle der Berge als Grenze, als Medium und Raum von politischen, sozialen und kulturellen Grenzziehungen und zugleich als Raum für räumliche, soziale und symbolische Grenzüberschreitungen sowie geistige Transgressionen widmen.
Diesmal wird die Tagung in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe „Ländliche Gesellschaften in Ostmitteleuropa in der Neuzeit am Beispiel Polens“ des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig organisiert.

Als der berühmte Gelehrte des 17. Jahrhunderts Athanasius Kircher in seinem monumentalen Werk Mundus subterraneus in XII  libri digestus  (1665) in dem Kapitel De Montibus Geocosmi, eorum necessinate über den Sinn der Existenz von Bergen nachdachte, schrieb er, die Berge seien das Knochengerüst der Erde und in gewissem Sinne auch die das Gefüge der Erdkugel festigenden Ketten, die darüber hinaus eine Rolle als natürliche Grenzen zwischen den Völkern erfüllten. Hundert Jahre später behauptete der englische Dichter William Cowper (1731-1801): „Quer stehend machen Berge aus den Völkern Feinde/Die sonst, wie desselben Wassers Tropfen/Zusammenfließen würden, eine Einheit bildend“. In vergangenen Jahrhunderten wurde von Wanderern, Gelehrten und schließlich auch Künstlern zahlreichen Bergketten eine Grenzfunktion zugeschrieben, die für sie offensichtlich mit der natürlichen Erhabenheit (Vertikalität) von Auftürmungen der Erde zusammenhing. So stellten die Berge eine Kommunikationshürde dar und trennten menschliche Siedlungen, forderten zugleich aber die Menschen zur Überschreitung von Grenzen verschiedenster Art heraus. Selbst im Archetyp der Grenze steckt nämlich das eine transgressive Haltung herausfordernde Potenzial. Das Ziel des diesjährigen Symposiums ist es daher, die Schlüsselmechanismen einer multiaspektuellen Wahrnehmung sowie einer Vorstellung und Funktionalität der Berge als Grenze in der kollektiven Imagination zu analysieren. Auch das damit eng verbundene Phänomen der Transgression, das nicht nur im gesellschaftlichen Leben und in der Kultur, sondern auch in der Natur stattfindet, wird zum Gesprächsthema.

So wie es in den vergangenen Jahren der Fall war, ist es auch in diesem Jahr das Anliegen der Organisatoren, eine interdisziplinäre Diskussion anzuregen. Dies spiegelt sich in der Vielfalt der vorgeschlagenen thematischen Schwerpunkte, die sowohl Geistes- als auch Sozial- und Naturwissenschaftler ansprechen sollen, wider. Ein wichtiges Ziel des Treffens besteht darin, den differenzierten auf die Berge und die Gebirgsräume bezogenen Grenzziehungen und Transgressionsmechanismen nachzugehen.

Im Rahmen der vorgeschlagenen, sich weit überschneidenden thematischen Kreise bieten sich insbesondere folgende Schwerpunkte für „Berge als Grenze und als Transgressionsraum“ an:

  • religiöser, metaphysischer und ideologischer Kontext (Berge als Grenze zwischen dem Weltlichen und dem Transzendentalen, Transgression zwischen sacrum und profanum, Transgression in den geistigen Raum im romantischen Sinne; Berge als „Natur“ gegen „Kultur“ bzw. „Zivilisation“, in diesem Kontext auch ökologische Aspekte, usw.)
  • Kontext der Wissenschaft (wissenschaftliche Erforschung der Berge, rationalistische Auseinandersetzung mit den auf Berge/Gebirge bezogenen Traditionen)
  • (kultur)anthropologischer Kontext (Besiedlung von Siedlungsenklaven bis zu Dialoginseln und Kulturkontakten, Migrationsprozesse, Umgestaltung der Naturlandschaft, Erholungsfunktion, Berge und Unterhaltungsfunktion in der Konsumgesellschaft; Tourismus und Sport – Berge als Hintergrund für Extreme und Exzesse der Leistungsgesellschaft)
  • politischer und strategischer Kontext (nationale, staatliche, regionale, ethnische Perspektiven); Kontext der kollektiven Identitätsbildung (Berge als mythologischer Raum, Internalisierung im territorialen und historischen Diskurs, Mythos der „natürlichen Grenze“)
  • Kontext der Kunst und der artifiziellen Kultur (die Wahrnehmung der Berge mit Bezug auf die ihnen zugeschriebene Grenzfunktion; literarische, künstlerische, filmische Repräsentationen von Bergen und Transgressionen)
  • Kontext der Sprache (Onomastik, Veränderungen der Reichweite von Sprachen und Dialekten unter politischen Aspekten sowie im Zusammenhang mit Migration)
  • Kontext der Wirtschaft (die Berge als das Gebiet/die Grenze von ökonomischen Zonen und Wirtschaftsräumen bezogen auf Produktion, Organisation und Wirtschaftspolitik; Tourismus als Wirtschaftsfaktor der Grenzziehung und Grenzüberschreitung)

Die Tagung wird in diesem Jahr in Polanica Zdrój (Bad Altheide, Starý Bor), Polen, stattfinden. Die Tagungssprachen sind Polnisch, Deutsch, Tschechisch und Slowakisch. Die Organisatoren bitten um Vorschläge für Referate in einer der Tagungssprachen. Der Vortrag soll nicht länger als 30 Minuten dauern.

Anmeldungen mit einer kurzen Zusammenfassung des vorgeschlagenen Beitragsthemas können bis zum 25.05.2016 per E-Mail an eine der folgenden Adressen gesandt werden:

ewagrzeda@o2.pl

malgloboz@o2.pl

reznik@dhi.waw.pl

Über die Annahme der Referate soll bis zum 30.06.2015 entschieden werden.

Nähere Informationen zum Tagungsort und zur Organisation sowie zum vorläufigen Tagungsprogramm werden im Juli 2016 mitgeteilt.

Prof. Dr. Miloš Řezník, Deutsches Historisches Institut Warschau

Prof. Dr. Ewa Grzęda, Universität Wrocław

Prof. Dr. Małgorzata Łoboz, Universität Wrocław

Kontakt:

Miloš Řezník
Al. Ujazdowskie 39
00-540 Warszawa
+48 / 22 / 5258301
+48 / 22 / 5258337
reznik@dhi.waw.pl