Überlebende als Zeugen im Bielefelder Bialistok-Prozess (1965–1967)

Vortrag von Katrin Stoll (DHI Warschau) im Landesarchiv NRW.

Vom März 1966 bis April 1967 verhandelte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Bielefeld gegen vier Angeklagte, die als Leiter bzw. Mitarbeiter der Dienststelle "Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD für den Bezirk Białystok" (KdS) während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen an der Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung im nordöstlichen Polen beteiligt gewesen waren.

Die Anklage lautete auf Mord und gemeinschaftliche Beihilfe zur vorsätzlichen Tötung von mindestens 28.000 Menschen. Das Gericht versuchte in diesem Verfahren nichts Geringeres als eine Einordnung der Straftaten der Angeklagten in den historischen Gesamtkomplex des Holocaust.

Im Landesarchiv NRW in Detmold werden Akten der Verhandlungen sowie Tonbandaufnahmen mit den Zeugenaussagen aufbewahrt.
Der Bielefelder Białystok-Prozess stellt zusammen mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess eine der wenigen Ausnahmen dar, in denen große Teile der Hauptverhandlung als Tonbandmitschnitt überliefert sind.

Dr. Katrin Stoll hat für ihre Dissertation unter dem Titel "Die Herstellung der Wahrheit" an der Universität Bielefeld den Prozess ausgewertet.

Anlässlich der Befreiung der Überlebenden von Auschwitz am 27. Januar 1945 lädt das Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe in diesem Jahr zu einem Vortrag von Dr. Katrin Stoll ein.

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