„Ungestaltes Land“ und „unfassbares jüdisches Volk“

27.01.2015, Vortrag, DHI Warschau

„Ungestaltes Land“ und „unfassbares jüdisches Volk“. Die Ostfront in Briefen einer deutsch-jüdischen Berliner Familie 1915 – 1917; ein Vortrag von Prof. Dr. Dorothee Wierling (Stellv. Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg). 

Am Beispiel der bildungsbürgerlich-sozial-demokratischen Familie Braun aus Berlin, die während des Ersten Weltkriegs ca. 2000 Briefe austauscht, untersucht der Vortrag, wie der Sohn und junge Freiwillige, Otto Braun, dessen Vater Jude österreichischer Herkunft ist, die Ostfront als Begegnung mit einer frem-den Kultur, geprägt durch „Jüdisches“ und „Slawentum“ erlebt, mit seiner Familie kommuniziert und mit seiner eigenen Existenz als „Halbjude“ im tendenziell antisemitischen Militär zu verbinden versucht. Der sehr gut dokumentierte Fall soll zum Ausgangspunkt genommen werden für eine kulturgeschichtliche Betrachtung der Ostfront, bei der fragile ethnische und nationale Identifizierungen  – unter den Bedingungen von Töten und  Sterben im Krieg – neu  ausgehandelt und gelebt werden müssen.

Beginn: 18 Uhr