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DHI Rom
Die Frottola: "musica cortigiana" in der Entwicklung des kulturellen Diskurses in Italien 1500-1530
Projektende: 14.03.2026
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung:
Sabine Meine
Thema: Italien; Gesellschaft und Bevölkerung; Mittelalter; Musik; Diskurstheorie; Adel; Kommunikation; Repräsentation; Ästhetik; Mentalität; Tradition
Themengebiet:
Sozialgeschichte,
Kultur- und Mentalitätsgeschichte,
Musikwissenschaften und -geschichte
Ort:
Italien
Zeit: 1500-1530
Epoche:
Mittelalter,
Frühe Neuzeit
Der zentrale Gegenstand dieser Arbeit ist die Gattung der Frottola, höfische Vokalmusik, die sich um 1500 zur ersten musikalischen Gattung genuin italienischer Prägung etablierte. Im 15. Jahrhundert zunächst eine mündliche Dichter-Musiker-Praxis, verbreitete sie sich durch den Aufschwung des neu entstandenen Notendrucks bis in die 1520er Jahre hinein auch schriftlich. In nur zehn Jahren - zwischen 1504 und 1514 - publizierte Ottaviano Petrucci in Venedig elf Frottolen-Sammlungen; weitere fünfzehn Drucke anderer italienischer Verleger erschienen in einem längeren Zeitraum von 1510 bis 1531. Gegen 1530 erschöpfte sich die Nachfrage nach Neuauflagen oder neuen Drucken; die Frottola entsprach nun offenbar nicht mehr dem Zeitgeschmack. Seitens der Musikwissenschaft, zumal der deutschsprachigen, ist die Frottola in ihrer Funktion als höfisch repräsentative Gattung des frühen 16. Jahrhunderts bislang nicht eingehend untersucht worden. Immer wieder erlag die Wissenschaft der Gefahr, die Frottola an für sie irrelevanten Kompositionstechniken und poetologischen Ansprüchen zu messen und daher gegenüber dem späteren Madrigal oder der Ästhetik frankoflämischer Kompositionen abzuwerten. Für ein historisch adäquates Verständnis der Gattung ist es notwendig, nicht nur die konkrete Gestalt von Musik und Text zu analysieren, sondern sie auch innerhalb der soziologischen und literarischen Kommunikationsprozesse der Hofkultur zu situieren. Die Jahrzehnte zwischen 1500 und 1530 sind in der italienischen Kultur von tiefgreifenden Veränderungsprozessen geprägt: Die Verbreitung des Druckwesens, der aufkommende Petrarchismus, die Diskussion um eine einheitliche Vulgärsprache und die Entstehung von Anstands- und Liebestraktaten sind Phänomene, die seitens der Ideen- und Sprachgeschichte auf die Öffnung des humanistischen Diskurses nach 1500 und somit auf Umbrüche von Mentalitäten und Verhaltensregeln in der oberitalienischen Gesellschaft dieser Zeit verweisen. Es ist Ziel des Projektes, die Gattung Frottola zu diesen Prozessen in Beziehung zu setzen. Über einen interdisziplinären Zugang soll die Verankerung der Frottola in den Entwicklungen der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts aufgezeigt werden.