Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Paris
Schwangere und Gebärende unter Beobachtung. Der ärztliche Fallbericht im Kontext der französischen Geburtshilfe 1750–1830
Projektbeginn: 2015
Projektende: 18.05.2026
Partner: Prof. Dr. Rudolf Behrens, Prof. em. Dr. Regina Schulte
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Lucia Aschauer
beteiligte Personen: Lucia Aschauer
Themengebiet: Geschichte allgemein
Ort: Frankreich
Zeit: 1750-1830
Epoche: Neuzeit
Die geburtshilfliche observation:
Im Fokus des von Prof. Dr. Rudolf Behrens (Bochum) und Prof. em. Dr. Regina Schulte betreuten Promotionsvorhabens steht ein bisher kaum erforschtes Narrativ des Wissens: der ärztliche Fallbericht in seiner französischen Ausprägung als observation. Ziel des Dissertationsprojekts ist es, die Rolle der observation in der Etablierung der ärztlichen Geburtshilfe zu ergründen. Die leitende Hypothese lautet dabei: Der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stattfindende geburtshilfliche Paradigmenwechsel – die Verdrängung der Hebammen durch die männlichen Geburtshelfer – eignet sich in besonderem Maße, die gattungsinhärenten Spannungen der observation aufzuzeigen.

Erzähltes Wissen:
Grundlage für die Untersuchung bildet ein Korpus von circa 300 geburtshilflichen Fallberichten, die zwischen 1754 und 1822 im Journal de Médecine, Chirurgie, Pharmacie, etc. veröffentlicht wurden. Der gewählte methodische Zugriff – eine Verknüpfung wissenschaftshistorischer, gattungstheoretischer und narratologischer Ansätze – wird sowohl der erzählerischen Beschaffenheit als auch den epistemischen Funktionen der vorliegenden observations gerecht. Ohne den Fallberichten ihren wissensproduzierenden Anspruch streitig zu machen, können die für die Narratologie zentrale Trennung von Autor und Erzähler oder die Konzepte der Figur, Figurengestaltung und Erzählsituationen für die Lektüre der observations fruchtbar gemacht werden. Die konkurrierenden Akteure der Geburtshilfe lassen sich mithilfe dieses Ansatzes als Figuren einer Erzählung auffassen, die vom Erzähler – selbst Teil der Geschichte – in Szene gesetzt werden. Der Kampf um die Deutungshoheit über den schwangeren und gebärenden Frauenkörper wird in der observation mit den Waffen der Erzählkunst ausgetragen.

Einblicke in die Entstehung einer Disziplin:
Mit der genauen Bestimmung der observation als wissenschaftliche Gattung soll ein Beitrag zur Genealogie des ärztlichen Fallberichts geleistet werden. Gleichzeitig ermöglicht die Untersuchung einen Einblick in die Entstehungskonditionen einer neuen geburtshilflichen Wissensordnung Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich.

Links:
https://www.dhi-paris.fr/de/forschung/projekte-kurzzeit-ehemalige/schwangere-und-gebaerende-unter-beobachtung.html,
https://19jhdhip.hypotheses.org/2344