Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Paris
Deutsche und französische Akteure der Deportationen aus Frankreich 1940–1944: Haftmotive und Überstellungspraxen am Beispiel des KZ Neuengamme
Projektbeginn: 2015
Projektende: 2016
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Christine Eckel
beteiligte Personen: Christine Eckel
Themengebiet: Geschichte allgemein
Ort: Deutschland, Frankreich
Zeit: 1939-1945
Epoche: Neuzeit
Das Promotionsprojekt, das an der Schnittstelle zwischen den Studien zur deutschen Besatzungspolitik und den Studien zum System der Konzentrationslager verortet ist, widmet sich Fragestellungen, die sowohl in der deutschen als auch französischen Forschung bisher noch zu wenig beleuchtet werden. Ziel der Arbeit ist die Analyse der Repressionspolitik im besetzten Frankreich und des Zusammenspiels verschiedener deutscher und französischer Akteure bei den Maßnahmen, die in Frankreich zur Deportation von insgesamt über 90 000 Männern und Frauen aus nicht-rassistischen Gründen in Konzentrationslager und Haftanstalten auf deutschem Gebiet führten.

Ähnlich wie in anderen ehemals besetzten Ländern etablierte sich in Frankreich früh ein Narrativ, in dem diese Deportierten pauschal der Résistance zuordnet wurde. Diese Amalgamierung verdeckte jahrzehntelang – sowohl auf erinnerungspolitischer als auch auf wissenschaftlicher Ebene – die Komplexität der deutschen Besatzungspolitik und französischen Kollaboration. Neuere Forschungen zeigen hingegen die Heterogenität der Haftmotive auf, die vom organisierten Widerstand bis hin zum Schwarzmarkthandel reichen konnten, und machen hiermit deutlich, wie mit zunehmendem Kriegsverlauf in Frankreich immer breitere Personenkreise von Repressionsmaßnahmen betroffen waren, welche Rolle Deportationen in der Besatzungspolitik spielten und welche deutschen und französischen Akteure an ihr beteiligt waren.

Methodisch wird der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes auf zwei Arten Rechnung getragen: Zum einen werden vier Regionen exemplarisch in den Blick genommen, die zwischen 1940 und 1944 unterschiedliche Entwicklungen durchliefen: Paris und die Bretagne in der besetzten Zone sowie die Auvergne und Marseille in der bis November 1942 »Freien Zone« von Vichy-Frankreich. Exemplarische Fallstudien ermöglichen die Analyse der konkreten Abläufe der Repressionsmaßnahmen sowie die Konflikte, die sich bei ihrer Implementierung zwischen den Akteuren ergeben konnten. Zum anderen erfolgt eine Fokussierung auf das KZ Neuengamme in Hamburg, einem Lager zu dem noch immer Forschungslücken im Hinblick auf die Deportation aus Frankreich bestehen, obwohl über 11 000 Männer und Frauen von dort nach Neuengamme deportiert wurden und dieses Lager damit zu den Hauptzielorten der Deportationen aus Frankreich zählte.

Ziel des Promotionsprojekts ist es, die deutsche Besatzungspolitik und die Deportationen in Konzentrationslager weniger isoliert voneinander zu betrachten als es in der Forschung oft üblich ist, und vielmehr die Entwicklung der Repressionsmaßnahmen und ihre Radikalisierung bis zum Sommer 1944 aufzuzeigen und sie in den Kontext der Ausweitung des Systems der Konzentrationslager einzubetten. Über den Beitrag zur Historiographie der deutschen Besatzungspolitik, der französischen Kollaboration und des KZ Neuengamme hinaus öffnet die Einbeziehung deutscher und französischer Forschungsarbeiten und Quellen den Blick für rezeptionsgeschichtliche und erinnerungskulturelle Fragestellungen.