Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Warschau
Podlachien und die Niederlausitz: Image und Verinnerlichung im kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Projektbeginn: 2014
Projektende: 2018
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Aleksandra Kmak-Pamirska
Thema: Randregionen; Regionalforschung; Regionalität; Zentrum; Peripherie; Image
Themengebiet: Geschichte allgemein, Raumgeschichte, Historische Geographie, Kultur- und Mentalitätsgeschichte
Ort: Deutschland, Polen
Zeit: 20. Jahrhundert
Epoche: Neuzeit
Das Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion des Images der Randregion aus der Außenperspektive. In einer vergleichenden Analyse werden zwei Randregionen im 19. Jahrhundert und in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts untersucht: Podlachien und die Niederlausitz. Diese Räume werden – im Verhältnis zu anderen polnischen und deutschen Gebieten – sowohl in struktureller Hinsicht als auch hinsichtlich des gesellschaftlichen Bewusstseins der Einwohner – als Randregionen wahrgenommen. Beide Regionen wurden bei bisherigen regionalen Forschungen meist übergangen, da Regionen, die eine größere Rolle im gesellschaftlichen und historischen Bewusstsein spielten (z.B. Galizien, Pommerellen, Ober- und Niederschlesien), den Schwerpunkt bildeten. Die Fokussierung des Vorhabens auf Podlachien und die Niederlausitz schließt somit eine Lücke der Regionalforschung.

Das zentrale Forschungsproblem stellt die Erörterung des Images der Randregion dar, das von außen konstruiert wurde. Welches Image Podlachiens und der Niederlausitz wurde in den Zentralregionen geschaffen? Die Analyse berücksichtigt auch den Faktor Zeit, das heißt die Frage, wann die jeweilige Randregion größere Bedeutung für die Zentren erlangte und welche Rolle sie dabei spielte. Im Rahmen der Forschung wird versucht, die Nutzung historischer, kultureller und politischer Motive in den Zentralregionen für die Darstellung der Einheit von Zentrum und Peripherie sowie für die Verinnerlichung dieses Images in den Randregionen zu ergründen.
Eine wichtige Frage ist dabei die nach den Urhebern des Images von Podlachien und der Niederlausitz und ihren Beweggründen. Die Milieus, die die Entstehung des Images der Randregion aktiv beeinflussten, werden unter quantitativem und qualitativem Aspekt analysiert. Die Analyse beinhaltet die Faktoren Herkunft, gesellschaftlicher und beruflicher Stand sowie politische Aktivität. Daraus kann erschlossen werden, in welchem Maße das Image Podlachiens und der Niederlausitz von Bewohnern der zentralen Regionen geprägt wurde und wie stark daran aus Podlachien und der Niederlausitz stammende Personen beteiligt waren, die ihren Wohnort aufgaben, um einer Arbeit in den Zentralregionen nachzugehen. Zudem werden die Milieus und Kontakte der Akteure, die das Image Podlachiens und der Niederlausitz prägten, betrachtet (z.B. Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, Politiker).
Einen weiteren Analyseschwerpunkt stellen die Spezifika der Randregionen dar, die in der zentralen Sichtweise bewusst vernachlässigt wurden, das heißt der Teil der peripheren Regionalität, der sich im gesamtgesellschaftlichen kulturellen Diskurs nicht zur Assimilation eignete. In Bezug auf Podlachien betrifft dies z.B. das Konglomerat aus kulturellen Elementen litauischer, (bela-)russischer und tatarischer Tradition. Hinsichtlich der Niederlausitz geht es vor allem die niedersorbische Kultur.
Bei der vergleichenden Analyse der beiden untersuchten Randregionen zeigen sich zwischen ihnen viele Ähnlichkeiten auf den Ebenen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur (einschließlich Religion). Alle genannten Bereiche beeinflussen sich gegenseitig und lassen sich mit Hilfe eines Modells wechselseitiger Abhängigkeiten beschreiben. Dessen endgültige Ausarbeitung erfordert eine weitere Prüfung der Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie.
Es sollen Antworten auf folgende Fragen gefunden werden:
1.Welches Image der Randregionen (Podlachien und Niederlausitz) wurde in den Zentralregionen geschaffen?
2.Wie konstituierten sich die Kategorien Region und Regionalität? Welche Aspekte der peripheren Regionalität wurden im zentralen Diskurs berücksichtigt und welche übergangen?
3.Welche Milieus spielten eine aktive Rolle bei der Entstehung des Images der Randregionen? Aus welchen Milieus stammten die wichtigsten Akteure und welche Kontakte und Verbindungslinien lassen sich zwischen Zentrum und Peripherie identifizieren?
4.Wann stand die Randregion im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Zentren?
5.Auf welchem Fundament wurde eine eventuelle Einheit zwischen den Rand- und den zentralen Regionen gegründet? Welche historischen, kulturellen, sozialen und politischen Motive wurden in den Zentralregionen für die Darstellung der Einheit von Zentrum und Peripherie genutzt?
6.Wurde das neue Image in den Randregionen internalisiert?