Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Warschau
Adlige Identitäten und Repräsentationskulturen im Königlichen Preußen des 17. und 18. Jahrhunderts
Projektbeginn: 2015
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Sabine Jagodzinski
Themengebiet: Geschichte allgemein, Architektur/Baukunst, Malerei, Plastische Künste, Bildhauerkunst, Raumgeschichte, Historische Geographie
Ort: Polen
Zeit: 17. und 18. Jahrhundert
Epoche: Frühe Neuzeit
Für den Adelsstand der Frühen Neuzeit war die repräsentative Darstellung seiner Identität im Sinne der Verortung von Person und Geschlecht sowie ihrer Bedeutung und Loyalität existentiell, in der Region des Königlichen Preußen jedoch nicht ganz einfach. Dieser wird während der Inkorporation unter die polnische Krone (1454–1772) von der historischen Forschung eine gewisse Autonomie und ein daraus resultierendes Landesbewusstsein bescheinigt. Das Königliche Preußen war wirtschaftlich heterogen, mehrsprachig, mehrkonfessionell, ständisch und städtisch sowie von einer wechselvollen Konfliktgeschichte geprägt. Man kann also auch regionsintern von sich überlappenden regionalen Bezugskategorien sprechen. Einerseits waren die Adligen eine Elite, die – in Konkurrenz oder Zusammenwirken mit städtischen Eliten in Danzig (Gdańsk), Elbing (Elbląg) und Thorn (Toruń) – auf ihre materielle wie rechtliche Absicherung bedacht war. Prestigeerhöhung und genealogische wie repräsentative „Öffentlichkeitsarbeit“ waren dazu von grundsätzlicher Bedeutung. Andererseits gab es innerhalb ihrer Gruppe wirtschaftliche, konfessionelle sowie politisch bedingte Unterschiede.

Umso wichtiger sind in dieser Hinsicht die Fragen des Forschungsbereichs nach Ausdifferenzierungen, Integration und Abgrenzung für das Selbstverständnis und die Repräsentationskulturen der adligen Geschlechter. Zeigte sich im Königlichen Preußen eine adlige „Regionalidentität“ oder ein „Kosmos regionaler Identitäten“ (Bömelburg) in visuellen, materiellen oder performativen Repräsentationsmaßnahmen? Und wenn ja, wie funktionierten sie? Welcher Mittel künstlerisch-materieller Kultur bedienten sich Magnaten und wohlhabende Szlachta, um ein gedachtes oder reales, regionales oder überregionales adliges Bewusstsein darzustellen? An welche Traditionen und Erfahrungen knüpften die Geschlechter dabei an?

Diese Fragen für die Region des „anderen Preußen“ (Friedrich) sind mit dem Potential und den Quellen der Kunst- und Kulturwissenschaft zu klären. Bislang konzentrierten sich kunsthistorische Arbeiten zu der Region auf das künstlerische Schaffen für die Städte, Bürger, Kirchen, den Hof oder den Deutschen Orden. Für den Adel und sein künstlerisch-mäzenatisches Wirken sowie die gegenseitige Beeinflussung von Bürgern und Adligen auf diesem Gebiet hingegen bestehen noch große Lücken. Zweifelsohne liegt das in Teilen an der wenig komfortablen Quellenlage, da die Adelssitze mitsamt ihren Interieurs auseinandergerissen oder zerstört wurden. Untersucht werden sollen deshalb Werke der bildenden wie angewandten Künste und der Architektur, die die religiösen, memorialen und repräsentativen Denk- und Funktionsräume der einflussreichen Adelsgeschlechter prägten. Dazu gehören Adelssitze mit ihrer künstlerischen Ausstattung, Kirchen, Grabmäler, Stiftungen, Sammlungen usw. Betrachtet werden die Objekte selbst oder – im Falle ihres Verlustes – die Spuren, die sie in Inventaren, Briefen oder Beschreibungen hinterlassen haben.

Aufgrund der medialen und entstehungsgeschichtlichen Vielfalt werden verschiedene methodische Zugänge kombiniert, so z.B. die Forschungen zu materieller Kultur und Kulturtransfer, Regionsbildungs- und Raumdiskursen mit ikonographischen, funktionsanalytischen, kunstsoziologischen und rezeptionsästhetischen Ansätzen. Bei der Untersuchung sind Faktoren wie die verzweigten Familienstrukturen des Adels, der starke städtische Einfluss und das Verhältnis zu anderen Regionen zu berücksichtigen. In einer transregionalen Perspektive sollen deshalb auch das benachbarte Herzogtum Preußen, die ähnlich strukturierte Lausitz während der sächsisch-polnischen Union oder Gebiete Kronpolens in den Blick genommen werden.