Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Warschau
Alltag im Regierungsbezirk Zichenau
Projektbeginn: 2015
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Christhardt Henschel
Themengebiet: Bevölkerungs- und Migrationsgeschichte, Geschichte allgemein, NS-/Faschismusgeschichte, Politikgeschichte, Sozialgeschichte
Ort: Polen
Zeit: 20. Jahrhundert
Epoche: Neuzeit
Im Oktober 1939 schuf die deutsche Besatzungsverwaltung aus Teilen der Wojewodschaft Warschau einen neuen Regierungsbezirk – Zichenau (Ciechanów). In den folgenden Jahren gliederten die Behörden Zichenau der Provinz Ostpreußen an und machten ihn zu einem Zielpunkt reichsdeutscher Siedlungs-und Bevölkerungspolitik. Ein Teil der polnischen Bevölkerung und alle jüdischen Einwohner wurden ausgewiesen, Deutsche aus dem benachbarten Ostpreußen aber auch aus anderen Teilen des Reichsgebietes siedelten sich hier an, deutschbaltischen Zuwanderern wurden Wohnungen zugewiesen. Vor allem die Städte wandelten ihr Profil radikal – allen voran Płock (1938: 33.800 Einwohner), das in Schröttersburg umbenannt wurde und durch die hier eingerichtete Gestapo-Verwaltung zum eigentlichen Machtzentrum des neugeschaffenen Regierungsbezirks geriet.
Bisher liegen kleinere Arbeiten vor, in denen einzelne Aspekte des Besatzungsgeschehens erforscht wurden. Eine Gesamtschau der Region unter der Besatzung und ihrer spezifischen Anbindung an die Provinz Ostpreußen steht noch aus.
Zum einen sind folgende Fragen von zentralem Interesse:
Wie adaptierten sich die Neueinwohner und wie passte sich die lokale Bevölkerung an den Besatzungsalltag an? Inwiefern gab es Öffentlichkeit oder reduzierte sich diese auf „Besatzungsöffentlichkeit“? Wie funktionierten gesellschaftliches Leben, Kirche und Schule, Eisenbahn, Industrie und Handel? Wie wirkten sich Besatzungsgeschehen und Krieg, militärische Präsenz und Widerstand auf die Bewohner, die Familien und die Geschlechterbeziehungen aus?
Zum anderen sind Fragen von Bedeutung, die sich aus der engen Anbindung an die Provinz Ostpreußen ergeben: Gab es Wechselwirkungen zwischen den „alten“ Verwaltungseinheiten und dem „neuen“ Regierungsbezirk? Inwiefern lagerte die Provinzverwaltung unliebsame Bürger in die neuangeschlossene Region aus oder delegierte sie in Form einer Belohnung dorthin?
Und nicht zuletzt steht die Frage nach den Aushandlungsprozessen der Akteure bei der Entstehung bzw. Umformung der lokalen Gesellschaft eine wesentliche Rolle.
Ziel des Projektes soll eine multiperspektivische Geschichte der Bevölkerung dieses Regierungsbezirkes sein, die aber nicht schlagartig mit der Rückkehr des Gebietes an die Wojewodschaft Warschau endet, sondern das lokale Geschehen der ersten Nachkriegsjahre einbezieht. Durch die Untersuchung des Alltagslebens wird es möglich sein, Verhaltensmuster der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aufzuzeigen und auch darzustellen, wie sich einerseits deutsche Zivilisten tagtäglich als Teil der Besatzer verhielten, aber diese Episode nach dem Krieg verschwiegen und sich andererseits die lokalen Einwohner ihre Existenz unter wechselnder Herrschaft organisieren mussten.