The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.
The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.
The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.
Die meisten Untersuchungen der Themenkomplexe „Film und Geschichte“ bzw. „Film und Erinnerungskulturen“ begrenzen sich auf die Darstellung der Vergangenheit. Nicht selten beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher mit der Frage, wie nahe die Handlung den historischen Ereignissen sei. Dabei werden meist sowohl die Rezeptionspraktiken als auch die Spezifik des Dispositivs übersehen, obwohl es von überaus großem Belang ist, ob der Film im Kino, Fernsehen, auf DVD oder im Internet gesehen wird, da diese einen jeweils anderen Rezeptionskontext schaffen und voraussetzen. Um das erinnerungsstiftende Potential der Medien zu erfassen, muss folglich mehr als nur die Inhalte untersucht werden. Entscheidend ist, was die Rezipienten mit ihnen „machen“, wie sie mit ihnen aktiv und kreativ umgehen.
Insbesondere Produkte der spätmodernen Popkultur müssen als Teil eines Netzwerkes behandelt werden, in welchem – neben den Werken selbst – auch die Produzenten und ihre wirtschaftlichen Interessen, die Rezipienten und ihre Praktiken sowie die Eigenschaften einzelner Medien untersucht werden. Wo sehen die Zuschauer die Filme? Was machen sie vor dem Bildschirm? Konzentrieren sie sich ausschließlich auf die Bilder oder beschäftigen sie sich anderweitig? Werden sie mit Werbung konfrontiert? Unterhalten sie sich? Informieren sie sich zwischenzeitig im Internet über die dargestellten Ereignisse oder die Protagonisten, die sie historisch nicht einordnen können? Werden Szenen aus den Filmen in sozialen Netzwerken parodiert bzw. paraphrasiert? Wie wird darüber in den Printmedien und im Internet geschrieben? Gibt es Parallelen zwischen einzelnen Werken und offiziellen Aktivitäten im Bereich der Geschichtspolitik? Welche Stoffe werden mit öffentlichen Mitteln gefördert und welche werden eher von privaten Trägern finanziert? All diese Fragen sind von herausragender Bedeutung für die Erfassung von Filmen als Gedächtnismedien in der Spätmoderne.
Da es sich um ein äußerst komplexes Forschungsfeld handelt, ist davon auszugehen, dass sich keine allgemein geltenden Mechanismen der Aneignung von filmischen Geschichtsbildern identifizieren lassen können. Vieles hängt nämlich vom kulturellen Kontext, den aktuellen politischen Ereignissen, parallelen Medienangeboten und individuellen Präferenzen ab. Die geplanten Studien sollen sich also auf wenige Fallstudien aus Deutschland und Polen begrenzen, vorzugsweise auf Filme, die nicht nur im Kino, sondern auch im Fernsehen und im Internet gesehen wurden, und deren Rezeptionsgeschichte größtenteils abgeschlossen ist. Die Erforschung der Rezeption von ausgewählten Bildern der deutsch-polnischen Geschichte sowohl aus historischer als auch aus gegenwärtiger Perspektive verlangt nach einer Anwendung unterschiedlicher Methoden: Bildanalyse, qualitative Inhaltsanalyse (jeweils als Ausgangspunkt), diskursive Analyse von Pressematerialen, insbesondere von Rezensionen und Leserbriefen, Archivrecherchen (im Hinblick auf die historische Rezeption), gezielte Internetrecherchen (inklusive deren qualitativer und quantitativer Bearbeitung), Interviews, Beobachtungen etc. Die Ergebnisse sollen in Form von Aufsätzen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelbänden präsentiert werden.
Da sich das Projekt erst in der Konzeptualisierungsphase befindet, steht die Auswahl und die Strukturierung einzelner Beispiele noch bevor. Als erster Schritt soll entschieden werden, ob sich das Projekt nur auf Spielfilme (im Sinne von fiction film) konzentrieren wird, oder ob die Forschungsobjekte auch auf Dokumentarfilme, Wochenschauen, Fernsehbeiträge usw. (non-fiction film) erweitert werden soll.
Mögliche Analyseobjekte wären sogenannte Skandalfilme, die ein intensives Medienecho hervorgerufen haben. Ein gutes Beispiel hierfür wäre u.a. der Fünfteiler Am Grünen Strand der Spree (1960, Regie: Fritz Umgelter), in dem erste fiktive Bilder vom besetzten Polen und von der Judenermordung im westdeutschen Fernsehen präsentiert wurden. Die Serie war eines der größten Ereignisse im damaligen Fernsehen. Obwohl in den frühen 1960er Jahren noch keine Zuschauerquoten gemessen wurden, muss das Publikum groß gewesen sein: Die Zeitschriften bezeichneten Am grünen Strand der Spree als einen „Straßenfeger“ – eine Sendung, die sich dadurch bemerkbar machte, dass die Straßen leer wurden, wenn viele Menschen vor den Bildschirmen saßen. Für Empörung sorgte besonders die zwanzigminütige Szene der Judenerschießung aus der ersten Folge. Ob die Fragen nach den Aktivitäten des Publikums, den parallelen Medienangeboten und schließlich dem sinnstiftenden Potential des Fünfteilers beantwortet werden können, hängt allerdings von der Quellenlage ab, die noch eruiert werden muss. Neuere Beispiele von „Skandalfilmen“, die intensive Diskussionen hervorgerufen haben und sich auf die deutsch-polnische Geschichte Beziehen, wären u.a. der Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter (TV, 2013, Regie. Philipp Kadelbach) oder Ida (2013, Regie: Paweł Pawlikowski) – wobei im letzteren Fall die polnische Kontroverse eher darin bestand, dass der Film sich auf Polen und Juden konzentrierte und die Deutschen nur am Rande erwähnte.
Gleichzeitig, stellt sich die Frage, ob wir die gesellschaftliche Rolle der Werke, die als „Skandalfilme“ gelten, nicht überschätzen. Die Tatsache, dass sie zu Kontroversen zwischen Filmkritikern und Publizisten führten, ist für die Wahrnehmung durch „gewöhnliche“ Zuschauer nicht unbedingt maßgeblich. Deswegen werden auch Filme in Betracht gezogen, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind, sich in ihrer Zeit jedoch einer großen Popularität erfreuten. In seinem Buch Kino nowej pamięci (Das Kino der neuen Erinnerung) betont Piotr Zwierzchowski, dass mehr als ein Drittel der polnischen Spielfilmproduktion zwischen 1945 und 1989 aus Historienfilmen bestand – die meisten davon waren systemkonforme Kriegsfilme, die vom Zweiten Weltkrieg handelten. Zugleich verfügen wir über Studien zum Geschichtsbewusstsein der Polen, die seit den 1960er Jahren von der Soziologin Nina Assorodobraj-Kula und ihrem Forschungsteam durchgeführt wurden. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse aus der Forschung zur Rezeption populärer Historienfilme und der vorhandenen Publikationen über gesellschaftliche Vergangenheitsvorstellungen in der Volksrepublik Polen könnte neues Licht auf die Medialisierung der Geschichte und nicht zuletzt auf die Prozesse der kollektiven Identitätsbildung werfen.
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