The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.
The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.
The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.
Im Gegensatz zu den geschichtspolitischen und erinnerungskulturellen Auseinandersetzungen seit 1989, die unter den Schlagworten „transitional justice“, „Aufarbeitung“ oder „Postsozialismus“ wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren haben, fällt auf, dass das Feld populärkultureller Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Erbe erst langsam in den Fokus rückt. Der Tourismus selbst und seine Auswirkungen auf Geschichtsbilder und historische Erzählstrukturen werden von Historiker/innen dabei nur selten reflektiert – allenfalls mit demselben Distinktionshabitus, mit dem sich die „Kulturtouristen“ ihrerseits von den geschmähten „Pauschaltouristen“ abgrenzen. Dies erstaunt umso mehr, als die kommodifizierte Version des sozialistischen Erbes, wie ihn die (critical) heritage studies bzw. Kulturanthropologie und Ethnologie bereits früher problematisiert haben, im klaren Widerspruch zum durchaus gut erforschten „Diktaturgedächtnis“ (Martin Sabrow) steht, dass gerade in Polen und Tschechien die Geschichtskultur zu dominieren scheint.
Ziel des Forschungsprojektes ist es daher, das Panorama touristischer Repräsentationen des Staatssozialismus in Polen, Tschechien und der Slowakei in vergleichender Perspektive zu dokumentieren, zu typologisieren und in seinen vielfältigen Wirkungsmechanismen zu untersuchen. Hierzu wird in einem ersten Schritt anhand verschiedener Fallbeispiele nach den Prozessen der Touristifizierung gefragt. Es gilt, die entsprechenden Akteure zu identifizieren, die das sozialistische Erbe gezielt funktionalisieren, indem sie aus Orten „Destinationen“ machen. Ihre Praktiken sollen im Geflecht aus Stadtmarketing und anderen politischen, privatwirtschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Prozessen des urbanen „Imagineering“ (Wolfgang Kaschuba) verortet werden. Zugleich werden die verschiedenen Strategien der Authentifizierung nachgezeichnet, der diese sich bedienen: Handelt es sich um subjekt- oder objektbezogene Authentizitätsversprechen? Welche Wirkungen haben sie? Im zweiten Schritt werden die Geschichtsbilder selbst zum Gegenstand der Analyse gemacht. Hier kommen einerseits die verschiedenen thematischen Schwerpunktsetzungen in den ausgewählten Städten in den Fokus, andererseits die daran jeweils geknüpften Darstellungsmodi: In welchem Verhältnis stehen Opfer- und Oppositionsnarrative zueinander? Welchen Stellenwert nehmen materielle Repräsentationen des „Sozialistischen Realismus“ in Kunst und Architektur ein, welche Rolle spielen die utopischen Elemente der politischen Idee? Wo entstehen Verbindungen zwischen ihnen, welche Erzählungen schließen sich aus?
Sowohl der akteurs- als auch die darstellungsfokussierte Analyseschritt zielt auf die Identifizierung räumlicher, zeitlicher aber auch zielgruppenspezifischer Differenzen. Ausgehend von der Überlegung, dass letztlich der „tourist gaze“ (John Urry), also der vorstrukturierte Blick des – reiseerfahrenen und medial geprägten – Touristen selbst erst den Zielort erschafft, lässt sich fragen, ob lokale Geschichtskulturen überhaupt eine Rolle spielen bzw. inwiefern sich entortete Narrative entwickelt haben, deren Bezugspunkt in erster Linie in medialen Repräsentationen des Staatssozialismus liegt, die eher entlang ökonomisch orientierter Marktsegmentierungen zu ordnen wären. Auf einer übergeordneten Ebene berührt das Forschungsprojekt demnach eine theoretische Grundfrage unseres Geschichtsverständnisses: Angeeignet durch performative Praktiken des Tourismus wird historischen Ereignissen und Alltagskulturen jene Geschichtsmächtigkeit (und Tradierungswürdigkeit) zugeschrieben, von der wir annehmen, sie existierten a priori. Auf diese Weise stimuliert die touristische Vermarktung (des Staatssozialismus) einen Kreislauf historischer Relevanz, der die Eigenlogiken retrospektiver Deutungsmuster greifbar macht.