Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Warschau
Sexualpolitik und Besatzeralltag in Polen, 1939 - 1945. Prostitution Intimität, Gewalt
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Hannes Ziegler
Thema: Zweiter Weltkrieg; Polen; NS-Zeit; Krieg und Militär; Konflikt; Herrschaft; Gender; Gesellschaft und Bevölkerung; Europa
Themengebiet: Sozialgeschichte, NS-/Faschismusgeschichte, Bevölkerungs- und Migrationsgeschichte, Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Rechtswissenschaften
Ort: Deutschland, Polen
Epoche: Neuzeit
In allen besetzten Ländern Europas kam es im Zweiten Weltkrieg zu sexuellen Kontakten der deutschen Soldaten mit der jeweiligen einheimischen Bevölkerung. Auch an der Ostfront waren Vergewaltigungen, Zwangsprostitution in und jenseits der Lager, sowie „sexuelle Kollaboration“ mit dem Ziel zu überleben, Teil der Besatzungsrealitäten, obwohl dies aus ideologisch-rassischen Gründen von deutscher Seite ausdrücklich verboten war.
Diesem geschlechtergeschichtlichen Aspekt der deutschen Besatzungsregimes wurde bis vor wenigen Jahren weder für die west-, noch für die osteuropäischen Länder Aufmerksamkeit gewidmet. Inzwischen liegen erste Studien vor, die empirisch abgesicherte Einblicke in die Erscheinungsformen sexueller Gewalt und sexueller Beziehungen an der Ostfront bieten. Allerdings erlauben die bisherigen Forschungsergebnisse nur begrenzte Einsichten in die Geschlechterbeziehungen in den okkupierten polnischen Gebieten, wo es ebenfalls zu sexuellen Übergriffen durch Wehrmacht und SS-Truppen kam, die sowohl jüdische als auch nicht-jüdische Polinnen betrafen. Weitgehend unbekannt ist auch die „Nachgeschichte“ sexueller Kontakte in den Besatzungsgebieten, wozu öffentliche Diffamierungen ebenso gehörten wie Schwangerschaften. An diesen Forschungslücken setzt das Projekt an. Durch einen empirisch wie methodisch breiten Zugriff, der bislang unberücksichtigtes deutsches und polnisches Archivmaterial ebenso umfasst wie lebensgeschichtliche Interviews, wird eine multiperspektivische Untersuchung dieser Seite der Besatzungsgeschichte geleistet.
Dabei stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt: Erstens soll eine umfassende Rekonstruktion sexueller Gewalttaten der deutschen Besatzer geleistet werden. In welchen Orten kam es zu Übergriffen? Was ist über die Täter bekannt? Zweitens wird der Frage nachgegangen, ob jenseits sexueller Gewalt Beziehungen zwischen Deutschen und Polinnen existierten. Dabei dürfte es sich angesichts der schlechten Versorgungslage hauptsächlich um das Phänomen der „Überlebensprostitution“ gehandelt haben. In diesem Zusammenhang interessieren auch Diskursstrukturen und Sanktionsmaßnahmen des polnischen Untergrunds. Drittens wird untersucht, wie in Nachkriegspolen mit den polnischen Frauen umgegangen wurde, die sich aus Zwang oder auch Zuneigung mit Wehrmachtssoldaten oder Angehörigen der Zivilbesatzung eingelassen hatten. Ob es Fälle öffentlicher Diffamierungen wie etwa in Frankreich, den Niederlanden oder der Sowjetunion gab, wo selbst Frauen attackiert wurden, die in deutschen Bordellen zwangsprostituiert wurden, ist für Polen noch unklar. Und schließlich soll, viertens, auch das Schicksal der Kinder, die bei erzwungenen wie freiwilligen Kontakten während der Besatzung gezeugt wurden, rekonstruiert werden. Über die „Wehrmachtskinder“ bzw. deutsch-polnischen „children born of war“ jenseits der Zwangsarbeiterkinder ist noch nichts bekannt.