Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Warschau
Silbernetzwerke, Monetarisierungsmomente, Kommerzialisierungszonen, Währungslandschaften. Das Metallgeld im östlichen Mitteleuropa in seinen gesellschaftlichen, ökonomischen und fiskalischen Kontexten, ca. 800 - ca. 1200
Projektbeginn: 2014
Projektende: 2019
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Dariusz Adamczyk
Thema: Polen; Mittelalter; Handel; Wirtschaft; Geld; Herrschaft; Politik
Themengebiet: Wirtschaftsgeschichte, Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Wirtschaft
Ort: Polen, Europa
Zeit: 10.-12. Jahrhundert
Epoche: Mittelalter
In dem Folgeprojekt von Silber und Macht. Funktionen und Bedeutung von Edelmetallen für die piastische Herrschaft, 930‒1100 wird ein Perspektivenwechsel vorgenommen:
Hier steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die verschiedenen Macht- und Herrschaftszentren im östlichen Mitteleuropa die Monetarisierungs- und Kommerzialisierungsprozesse beeinflusst haben. Ausgangspunkt sind die mehrere hundert ins 9. bis 12. Jahrhundert datierten Schatzfunde mit importierten wie einheimischen Münzen
bzw. Münzfragmenten und die etwa 2000 Einzelfunde aus Siedlungen, Burgwällen und Gräberfeldern, die bislang in Polen ausgegraben bzw. zufällig entdeckt wurden.

Sie erwecken den Eindruck, dass die Nutzung von Silber als Zahlungsmittel im Leben der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaften des östlichen Europa ein weit verbreitetes Phänomen war. Auf der anderen Seite muss das Vorhanden von Silber keinen Automatismus
bedeuten, der auf Monetarisierung und Kommerzialisierung schließen lässt. Von zentraler Bedeutung erscheint also die Frage, welche Funktionen Münzen und Hacksilber, das sog. Ringgeld und Barren im Austausch erfüllten. Beschränkte sich ihre Verwendung nur auf die Fernhandelsmärkte, oder zirkulierten sie auch im regionalen und lokalen Handel? Wie kann man den Grad der Monetarisierung „messen“ und ab wann von einer Kommerzialisierung
reden? Deuten Funde von fragmentiertem Silber, entdeckt weit weg von Handelsemporien, auf ökonomische Funktionen hin, oder gibt es andere Erklärungsmuster für das Zerteilen von Münzen und Schmuck? Und schließlich: War die Monetarisierung ein linearer Prozess,
oder wies sie mehr Brüche als Kontinuitäten auf?

Bislang fehlt eine Studie, die die oben angesprochenen Zusammenhänge in chronologischer – über vier Jahrhunderte hinweg – und geografischer – zwischen den einzelnen
„Regionen“ Polens differenzierend und unter komparativer Einbeziehung der benachbarten Räume im Westen (elbslawische Gebiete), Osten (Westukraine und -russland)
und Norden (Dänemark und Südschweden) – Hinsicht systematisch untersucht. Hier setzt das Forschungsprojekt an und beinhaltet folgende Schritte: Erstens müssen die Netzwerke der Silberredistribution rekonstruiert werden. Dies soll geschehen, indem die Geografie
und die Zusammensetzung der Funde skizziert, ihre archäologischen Kontexte aufgezeigt und schließlich die Einordnung in den historischen Zusammenhang anhand schriftlicher Quellen vorgenommen werden. Zweitens wird der Frage nachgegangen, wie sich die Monetarisierungsprozesse fassbar machen lassen? Mit welchen Instrumenten und Indikatoren können sie „gemessen“ werden? Um der Komplexität der regionalen und chronologischen
Verwendung von Silber Rechnung zu tragen, müssen die Entwicklungen in ihrem jeweiligen historischen Kontext aufgefasst und nicht monokausal und eindimensional, sondern durch ein Bündel von Indikatoren erklärt werden. Drittens sollen die Währungslandschaften kartiert und die Ergebnisse zusammengefasst werden.