Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

DHI Moskau
Die Ostslawen auf der Suche nach neuen überregionalen Identitäten (vom Ende des 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) im Kontext der modernen Nationenbildung
Projektbeginn: 2014
Projektende: 2022
Förderer: Gerda Henkel Stiftung
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Andrej Doronin
beteiligte Personen: Vasilij Uljanovskij, Heronim Gralia
Themengebiet: Geschichte allgemein
Ort: Russland
Zeit: 1500-1700
Epoche: Mittelalter, Frühe Neuzeit
Das Projekt setzte sich mit der Frage auseinander, wie während der Frühen Neuzeit in den verschiedenen Rus’ unter den Bedingungen politischer und territorialer Zersplitterung sowie wechselnder Herrschaftskonstellationen die Suche nach neuen überregionalen ethnokulturellen Identitäten verlief. Im Zentrum der Untersuchung stand somit der Raum, in dem sich im 19. Jahrhundert die modernen russischen, ukrainischen und belarussischen Nationen herausbildeten.
Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler:innen konnten in ihren Studien zeigen, dass sich bereits zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert in Abstufungen protonationale Ideen der Russländer, Ukrainer und Belarussen in unterschiedlichen Quellenarten nachweisen lassen.

Für die Herausbildung eines protonationalen Verständnisses eigener Zugehörigkeiten waren sowohl die sich zunehmend ausdifferenzierenden autochthonen Vorstellungen als auch westliche humanistische Einflüsse und Vorbilder relevant. Das Projekt legt die konfrontativ-adaptiven Wechselspiele zwischen heterogenen Traditionen und Mythologemen sowie westeuropäischen Einflüssen offen, aus denen sich in den frühmodernen Narrativen der verschiedenen Rus’ neue Linien überregionaler ethnokultureller Selbstidentifizierung ergaben. Damit beschreibt und analysiert das Projekt bi- und multilaterale Transferlinien, Verflechtungsprozesse sowie Übersetzungs- und Anpassungsleistungen sowie partielle und divergierende Abgrenzungen und Eigenwege.

Das Gesamtprojekt hatte sich nicht das Ziel gesetzt, die einzelnen ethnokulturellen Narrative für alle Regionen der frühneuzeitlichen Rus’ zu bestimmen. Vielmehr entwickelten die beteiligten Historiker:innen aus Russland, der Ukraine, Belarus, Litauen, Polen und Deutschland in kooperativen Arbeitsformen einen gemeinsamen Thesaurus von Forschungszugängen und -fragen sowie ein gemeinsames Analyseinstrumentarium, das es ihnen erlaubte, die mäandernden frühmodernen Identitätsbildungsprozesse jenseits primordialer Zuschreibungen zu erforschen.