Project Database

The MWS project database provides an overview of current and completed projects at the institutes of the MWS and aims to make information on these accessible to everyone. It enables a search by subject area and subject. It is based on the selection of the Dewey Decimal Classification (DDC) adapted by the Bayerische Staatsbibliothek as the German specialised library for the field of history. It is also possible to search by country (states existing today) and major epochs. The database includes dissertation and habilitation projects that were funded, for example, as part of a scholarship, as well as the institute's own and third-party-funded collaborative projects.


The search results are sorted chronologically in descending order, starting with the project with the most recent start date.

The project database aims to provide a comprehensive overview of the thematic breadth and diversity of research at the institutes and research groups of the MWS. Information on current research foci of the institutes can be found on the respective institute websites.

Utopien und Dystopien der Natur. Surrealismus und ökologisches Denken
Antragsteller/-in, Sprecher/-in, Projektleitung: Julia Drost
Themengebiet: Ideen- und Geistesgeschichte, Geschichte allgemein, Philosophie
Ort: Amerika, Europa
Zeit: 2019
Epoche: Neuzeit
In diesem Buchprojekt wird der Surrealismus als eine philosophische Bewegung betrachtet und kunst-, ideen-, und wissenschaftsgeschichtlich im Kontext der Entwicklung der modernen Naturwissenschaften untersucht. Den Begriff der Ökologie prägte Ernst Haeckel im 19. Jahrhundert, indem er biologische Organismen als in beständiger Interrelation mit ihrer Umgebung definierte. Ihm folgten sowohl Wissenschaftler als auch Künstler, die über die Beziehungen zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umwelt nachdachten. In besonderer Weise haben sich die Künstler und Literaten des Surrealismus in verschiedensten Medien und Ausdrucksformen für die Naturwissenschaften ihrer Zeit interessiert und mit ökologischen Fragestellungen das Verhältnis von Mensch und Natur oder Mensch und Kosmos verhandelt. Ihr Interesse ist in einem größeren geistesgeschichtlichen Zusammenhang zu sehen. Das Spektrum surrealistischer Auseinandersetzung mit ökologischen Fragestellungen reicht von ihrem Interesse für Mythen und Esoterik über ihre Kritik der Aufklärung bis zur Zurückweisung von Kapitalismus und blindem Vertrauen in technologischen Fortschritt.

Ergebnisse ihrer Forschungen stellte Julia Drost unter dem Titel ›Rien qui fût à sa place!‹ Benjamin Péret’s Natural History (1945–1958) im Februar 2021 auf der Jahrestagung der College Art
Association in einer Sektion zu Earth as a Desert: The Ecology of Surrealism in the Face of the Climate Crisis zur Diskussion. Pérets poetische, von der tschechischen Künstlerin Toyen illustrierte Kurzgeschichte führt die antike Vierelementelehre und die moderne Naturgeschichte in einer surrealistischen Erzählung zusammen. Die weitgehend menschenleere Natur, im Durchgang durch die Maschine des Krieges zur seelenlosen Wüstenei geworden, wird von humanisierten Elementen, Pflanzen und Tieren bevölkert.

Künstlerin und Dichter setzen der mit Kalkül verbrannten Erde in ihrer Ökologie des Wunderbaren das undurchdringliche, beseelte Leben der Natur entgegen. An der École du Louvre wurden im März 2021 weitere Aspekte ihrer Forschungen zu Naturgeschichte, Evolutionsbiologie und moderner Physik im Surrealismus präsentiert. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen standen Max Ernsts Histoire naturelle (1926) sowie die Pläne des österreichisch-amerikanischen Künstlers, Designers und Architekten Frederick Kiesler für die Gestaltung einer Hall of Ecology für das American Museum of Natural History in New York (1944). Diese beiden Beispiele veranschaulichen die surrealistische Auseinandersetzung mit einer Problemlage, die das Verhältnis von Mensch und Umwelt, Natur und Technik im Kontext von Weltkriegen und Atomzeitalter in den Mittelpunkt rückt. Gerade vor dem Hintergrund der heutigen Umweltkrise nimmt die von den Surrealisten in ihrer Zeit erkannte Krise des Humanismus zentrale Aspekte der Debatten um Anthropozän und Posthumanismus vorweg.