18:00 – 20:00 Uhr
Jutta Toelle (Hochschule für Musik und Theater Hamburg)
Spektakuläre Nachrichten drangen im Laufe des 17. Jahrhunderts aus den Missionsstationen der Jesuiten, vor allem aus der Provinz Para guay, nach Europa: Unter Anleitung der Missionare spielten indigene Menschen dort in Orchestern europäische Musik. Sie stellten Instru mente, sogar Orgeln, selbst her und sangen, angeblich besser als in der Alten Welt.
Dies ist das Narrativ von Mission durch Musik: Musikpraxis als Hin führung zu einer vermeintlich höheren zivilisatorischen Stufe. Missio nare wandten ihre europäischen Denkmuster im kolonialen Kontext Hispanoamerikas an, ohne indigene Traditionen, Sitten oder Musiken zu beachten. Sie etablierten eine europäische Musikpraxis vor Ort und berichteten diese „Erfolgsgeschichte“ zurück nach Europa. Diese sollte die Wirkung ihrer Arbeit beweisen: denn je mehr und je besse re europäische Musik gespielt wurde, desto christlicher mussten die Menschen vor Ort wohl sein.
Der Vortrag präsentiert die in den Quellenberichten der Jesuiten völ lig ungebrochene Erzählung von Mission durch Musik und zeigt die Nachwirkungen bis in die heutige Zeit auf.