Versteckt in aller Öffentlichkeit: Osmanische Objekte und die Gestaltung alternativer muslimischer Bürgerschaft in Istanbul

14.01.2026 | Vortrag | OI Istanbul | online und vor Ort

19:00 - 21:00 Uhr
Orient-Institut Istanbul
Sprache: Englisch

Osmanische Objekte, Kunsttraditionen und soziale Praktiken sind im politischen Leben der Türkei umkämpfte Themen ein – geprägt sowohl durch den selektiven Bruch der Republik mit ihrer osmanischen Vergangenheit als auch durch jüngere Bemühungen um einen zivilisatorischen Revivalismus.
Dieser Vortrag untersucht, wie zeitgenössische Praktiker*innen sogenannter „traditioneller Künste“ osmanische Objekte auf eine Art und Weise betrachten, die über offizielle Narrative von kulturellem Erbe und Wiederherstellung hinausgeht.

Aufbauend auf Ansätzen der Object Oriented Ontology und den Arbeiten von Graham Harman analysiert der Vortrag, wie diese Akteur*innen den sinnlichen, ethischen und existenziellen Dimensionen der Objekte selbst Aufmerksamkeit schenken. Dadurch entwickeln sie persönliche und inoffizielle Bindungen an osmanisch-islamische Kunstformen und Orte. Şenay und Houston argumentieren, dass solche Auseinandersetzungen alltägliche Praktiken einer alternativen Bürgerschaft darstellen und Formen muslimischen Lebens hervorbringen, die neben – und nicht innerhalb – dominanten staatlichen Projekten religiöser und historischer Autorität stehen.


Banu Şenay ist Anthropologin an der Macquarie University und spezialisiert auf die Anthropologie des Islams. Ihre Forschung befasst sich mit islamischen Kunst- und Handwerkstraditionen in der zeitgenössischen Türkei und untersucht, wie diese Praktiken für muslimische Akteure Quellen alternativer Autorität schaffen. Sie leitet zudem ein vom Australian Research Council gefördertes Projekt zu islamischen Bürokratien in der Türkei und Indonesien. Zu ihren Publikationen zählen Beyond Turkey’s Borders (2013), Musical Ethics and Islam (2020) sowie als Mitherausgeberin das Routledge Handbook of Turkey’s Diasporas (2025).

Christopher Houston ist Professor für Anthropologie an der Macquarie University, Sydney. Er hat umfangreiche Feldforschung in der Türkei betrieben – zu islamischen sozialen Bewegungen, Nationalismus, urbanen Prozessen in Istanbul, politischen Aktivist*innen, Wehrdienstverweigerung und der kurdischen Frage. Zu seinen jüngsten Büchern zählen Istanbul, City of the Fearless (2020, University of California Press) und Theocracy, Secularism, and Islam in Turkey. Anthropocratic Republic (2021, Palgrave Macmillan). Sein neuer Sammelband Self-Alteration. How People Change Themselves Across Cultures (2024), herausgegeben mit Jean-Paul Baldacchino, erschien bei Rutgers University Press.


Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Die Teilnahme ist kostenlos.
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Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht.
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Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet.

VERANSTALTUNGSORT
Orient-Institut Istanbul
Galip Dede Cad. 65, Şahkulu Mah., TR – 34421 Istanbul
Tel: +90 212 293 60 67
oiist@oiist.org | oiist.org

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