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DFK Paris

Hannah Goetze

Damit beschäftige ich mich:

Mein Dissertationsprojekt reiht sich in eine Sozialgeschichtsschreibung der Kunst ein, die versucht, künstlerische Tätigkeit in enger Anbindung an ihre gesellschaftlichen Bedingungen zu sehen. Die Mitte des 19. Jahrhunderts erscheint mir dafür besonders interessant, zumal in Frankreich, wo das politische System anhaltenden Umwälzungen unterworfen ist und das Thema der Arbeit und deren gesellschaftliche Organisation selbst immer wieder aus verschiedenen Perspektiven zur Debatte gestellt wird.

Was reizt mich an meinem Forschungsfeld?

Einige Fragen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts verhandelt werden – Vorstellungen von Arbeit und Gesellschaft, gerade in Anbetracht einer zunehmenden Maschinisierung und Technologisierung – mögen ihre Ähnlichkeiten mit denen unserer Gegenwart haben. Eine solche Analogie ist jedoch nicht, was mich leitet. Mich interessieren vielmehr die Effekte der (Neu-)Konstellation von bestimmten Diskursen. Es geht mir darum zu verstehen, wie Änderungen von politischen und wirtschaftlichen Systemen Einfluss auf davon auf den ersten Blick möglicherweise abgeschiedene Bereiche haben. Das erlaubt mir einerseits, mich in eine Geschichte des ökonomischen Denkens einzuarbeiten, und andererseits, Kunst und Kunstgeschichte unter neuen Perspektiven zu sehen.

Was ist die größte Herausforderung meiner Forschung?

Die größte Freude meiner Arbeit empfinde ich zugleich als deren größte Herausforderung: die Konfrontation mit einer großen Menge an Quellen, die administrativer Natur sein können oder persönliche Zeugnisse, politische Traktate oder wissenschaftliche Abhandlungen, und die alle in sich interessant sind. Dieser Masse (an Material und an Stimmen) gerecht zu werden, eine Ordnung zu finden, die sie überhaupt bearbeitbar macht, ist Kern und Schwierigkeit meiner Tätigkeit – zumal, wenn die eigene Recherche immer wieder neue faszinierende Quellen und Texte zu Tage bringt.

Institutionelle Zuordnung und Aufgabe:

Hannah Goetze promoviert an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Prof. Dr. Christine Tauber und hat einen Doktorandinnenvertrag am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris.

Beiträge aus dem Themenportal

„Atelier“: Ort der Arbeit, der Kunst und des politischen Diskurses

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts taucht der Begriff „atelier“ immer häufiger in französischsprachigen Publikationen auf. Besonders präsent ist er in zwei Debatten: zum einen in Auseinandersetzungen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der arbeitenden Klassen, zum anderen in Texten über Künstler:innen und die Räume, in denen sie arbeiten. In beiden Fällen geht es beim „atelier“ um Arbeit. Im 19. Jahrhundert verändert sich diese und mit ihr der Ort, an dem sie stattfindet. Hannah Goetze erforscht am DFK Paris, was passiert, wenn ein „atelier“ nach den Maßstäben der Industrie funktionieren soll.