De l’Allemagne 1800–1939. De Friedrich à Beckmann

Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte, Paris, freut sich, die Ausstellung "De l’Allemagne 1800–1939. De Friedrich à Beckmann" zu annoncieren, die vom 28. März bis 24. Juni 2013 im Musée du Louvre, Hall Napoléon, zu sehen sein wird.

Auf Initiative des Deutschen Forums für Kunstgeschichte konzipiert und in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Louvre entwickelt, stellt die Ausstellung die deutsche Malerei und Graphik von der Goethezeit bis zur Moderne ins Zentrum. Mit rund zweihundert Werken ist es die größte Schau dieser Art, die je in Frankreich ausgerichtet wurde. Johann Wolfgang Goethes Kunsttheorie und Kunstpolitik stehen im Zentrum, weil sich zentrale Bewegungen der Kunst in Deutschland in Aneignung oder Abgrenzung an ihnen orientiert haben: Die Antikensehnsucht und Imagination des Griechischen ebenso wie die nazarenische Gegenwelt; die mittelalterliche Idylle oder die Imagination der Gotik; die mythologische Aufladung der Landschaftsmalerei oder ihr theologischer und romantischer Gegenpart und noch die künstlerisch-wissenschaftlichen Explorationen der Natur, der Elemente und der Farben – bis in die Bauhaus-Zeit. Auch die Bildthemen der Expressionisten und der frühen Moderne werden hier als Echoräume seiner literarisch, zumal im Faust II entwickelten Weltsicht verstanden: die Vereinzelung und Verstädterung des Menschen; seine Verwicklung in Gewalt und Krieg; seine Hybris im entfesselten Schöpfertum. Unsere Ausstellung wirft von jenem Goetheschen Kosmos den Blick nach vorne, und versteht, durch mehrere Sektionen hindurch, die von Goethe und seinen "Weimarer Kunstfreunden" formulierten Positionen in Kunsttheorie und -politik als konstitutiv für die bildende Kunst in Deutschland.

Eröffnet wird die Ausstellung mit Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins Gemälde "Goethe in der Campagna Romana" (1787) aus dem Frankfurter Städel, das, ebenso wie Gemälde und Zeichnungen von Gottlieb Schick oder Asmus Jakob Carstens, das Primat der Antike in Form und Inhalt aufruft. Die Künstler der nazarenischen "Gegenposition" wie Friedrich Overbeck, Franz Pforr, Julius Schnorr von Carolsfeld und Joseph Anton Koch lehnen sich dagegen ebenso auf wie Moritz von Schwind und Carl Philipp Fohr mit ihren mittelalterlichen "Idyllen".

Die Kunst in Deutschland hat im gewählten Zeitraum fortwährend in solchen Oppositionen argumentiert. Der Imagination der Gotik, wie sie sich in den Kathedralbildern u. a. von Caspar David Friedrich, Carl Blechen oder Ernst Ferdinand Oehme abbildet, stellte sich die Evokation des Griechischen entgegen, beispielsweise in Leo von Klenzes "Walhalla", dem hellenischen Tempeltraum oberhalb der Donau. Mit solcher Historisierung der Landschaft korrespondiert deren mythologische Aufladung – in Gemälden und Zeichnungen von Carl Rottmann, Anselm Feuerbach, Hans von Marées, bis hin zu Arnold Böcklin, Franz von Stuck, Lovis Corinth, Max Slevogt sowie Max Beckmann.

Weitere Verbindungslinien zu Goethe und der Weimarer Kunstpraxis werden in einer eigenen Abteilung gezogen, in der Goethes Sammlungen exemplarisch vorgestellt werden, wobei hier namentlich naturkundliche Exponate zu finden sind (Botanik, Geologie) sowie der Theorie der Farbenlehre breiter Raum eingeräumt wird. In diesem Zusammenhang werden auch die weitreichenden Wirkungen namentlich im Umkreis der Romantiker (Philipp Otto Runge) und bis hin zum Bauhaus (Paul Klee) in bewusst diachroner Sicht anschaulich zum Thema.

Wenn schließlich Goethes "Faust"-Dichtung in dieser Ausstellung, die deren Widerhall in der bildenden Kunst, bis zum Film, gewidmet ist, dargestellt wird, dann deshalb, weil sich das "Faustische", also die Selbstverständigung des modernen Menschen, besonders vielfältig in der Malerei und den graphischen Künsten artikuliert – von Adolph Menzel bis zu Ernst Ludwig Kirchner, Otto Müller, Max Beckmann oder Otto Dix und George Grosz.

Wir haben die facettenreiche künstlerische Produktion in Deutschland unter solchen inhaltlichen Markierungen ausgebreitet, um ihren Zusammenhang erkennbar und ihre ganz eigene Prägung und Ausbildung nachvollziehbar und verstehbar zu machen. Was sich in diesem Ausstellungsitinerar entfaltet, ist nichts weniger, als die Entwicklung einer Kunstsprache, die, bei aller transregionalen Beeinflussung und Abhängigkeit, immer auch darauf zielt, den spezifischen Bedingungen einer vornationalen, kulturellen Selbstbestimmung zu entsprechen, ja, diese partiell zu definieren. Erstmals in Frankreich in solcher Fülle zusammengetragen, erlaubt die Schau, die deutsche Kunst in einer ihrer entscheidenden Phasen vertiefend kennenzulernen und dem französischen Publikum, sich dem nur scheinbar Fremden sinnlich zu nähern.

Dass unsere Ausstellung in das Jahr der fünfzigsten Wiederkehr der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages fällt, ist eine glückliche Koinzidenz. Es erfüllt uns mit großer Genugtuung, dass wir somit über den Weg der bildenden Kunst die weitere Annäherung, das wechselseitige Verständnis und das Zusammenwachsen unserer Länder befördern helfen.

Gesamtleitung: Henri Loyrette, Président-directeur des Musée du Louvre und Andreas Beyer, Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte, Paris (Max Weber-Stiftung).

Kuratoren: Sébastien Allard (Musée du Louvre); Johannes Grave (Universität Bielefeld) sowie Daniele Cohn (Universität Paris 1); Assistenz: Boris Roman Gibhardt (Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Paris).

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Boris Roman Gibhardt
Tel.: + 33(1) 42 60 68 23

Details
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