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DHI Moskau

Esther Meier

Alumnus/Alumna

Damit beschäftige ich mich:

Während des Zweiten Weltkriegs gerieten bis zu 5,7 Millionen sowjetische Militärangehörige – Männer und Frauen – in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mehr als drei Millionen starben an den unmenschlichen Bedingungen der Gefangenschaft oder wurden ermordet. Diejenigen, die überlebten, waren in ihrer Heimat mit dem kollektiven Vorwurf des Verrats konfrontiert. Das Projekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene“ liefert einen Beitrag zur Erforschung des Nationalsozialismus, zur sowjetischen Geschichte von Stalin bis Gorbačev sowie zur Erinnerungskultur. Im Rahmen des Projekts ist das DHI Moskau ausschließlich für die Arbeiten zu den sowjetischen Kriegsgefangenen verantwortlich.

Was reizt mich an meinem Forschungsfeld?

Das Projekt verfolgt einen personenbezogenen Ansatz. In den Biographien der sowjetischen Kriegsgefangenen sind die Geschichte des Nationalsozialismus und des Stalinismus eng miteinander verflochten. Dies zeigt sich vor allem in den Lebensläufen derjenigen, die die deutschen Lager überlebten. Die Forschung untersucht diese beiden Felder jedoch bislang noch weitgehend getrennt oder setzt den Fokus auf den Systemvergleich. Das Projekt setzt sie im Sinne einer Verflechtungsgeschichte in Beziehung zueinander. Der biographische Zugang wirf zudem einen alternativen Blick auf historische Zäsuren, auf Kontinuitäten, die weit über das Kriegsende hinaus wirkungsmächtig waren.

Was ist die größte Herausforderung meiner Forschung?

Der Großteil der personenbezogenen Quellen zu sowjetischen Kriegsgefangenen aus deutscher Provenienz wurde von der Wehrmacht produziert. Die Dokumente geben somit die Täterperspektive und Fremdzuschreibungen wieder. Über die Überlebensstrategien und die Handlungsmotive der Kriegsgefangenen wissen wir noch sehr wenig. Eine Herausforderung stellen vor allem jene Biographien dar, die geeignet sind, starre Narrative von Widerstand und Kollaboration aufzubrechen. Lebensläufe sowjetischer Kriegsgefangener, die in deutsche Dienste traten, zeigen die Grenzen dieser Kategorien vielfach auf.

Institutionelle Zuordnung und Aufgabe:

Dr. Esther Meier ist wissenschaftliche Leiterin des Projekts „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene“ am Deutschen Historischen Institut Moskau.

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